Einen Tag nach dem AfD-Erdrutsch in Sachsen-Anhalt hat sich die Bundesparteispitze am Montagvormittag in Berlin vor die Kameras gestellt. Um 10:15 Uhr traten die Co-Vorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla gemeinsam mit dem Magdeburger Wahlsieger Ulrich Siegmund vor die Bundespressekonferenz. Die Botschaft war weniger auf Halle ausgerichtet als auf das Kanzleramt: Das Ergebnis vom Sonntag sei ein „ganz klarer Regierungsauftrag“, so Siegmund - und zwar nicht nur an der Elbe.
Den Satz, an dem sich die Debatte des Tages entzündete, sagte der 34-jährige Landtagsabgeordnete gleich zu Beginn: „Ich brauche eine Bundeskanzlerin Alice Weidel hier in Berlin.“ Damit rahmte die AfD-Spitze das Wahlergebnis, in dem die Partei nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis 43,8 Prozent und 39 der 83 Landtagssitze holte, konsequent als bundespolitisches Signal. Die CDU war auf 17,2 Prozent eingebrochen, das BSW hatte mit 5,3 Prozent überraschend die Fünf-Prozent-Hürde gemeistert.
Ich brauche eine Bundeskanzlerin Alice Weidel hier in Berlin.
Chrupalla knüpfte daran an, verzichtete aber auf konkrete Namen. Er kündigte laut Bericht der Deutschen Presse-Agentur an, seine Partei werde „Dialogangebote an alle Parteien schicken“ und dann sehen, „wer unsere Hand wegschlägt“. Die von den etablierten Parteien errichtete „Brandmauer“ habe der Wähler in Sachsen-Anhalt abgewählt. Weidel wiederum verband ihren Auftritt mit einer Prognose für die nächste Bundestagswahl: Die AfD werde bundesweit die 40-Prozent-Marke ansteuern - und den amtierenden CDU-Kanzler Friedrich Merz ablösen.
Koalitionsmathematik ohne Ausweg
So wuchtig die Bundespressekonferenz aufgesetzt war, so eng bleibt die Lage in Magdeburg. Für eine absolute Mehrheit fehlen der AfD drei Sitze, alle anderen Parteien kommen zusammen auf 44. Siegmund lehnte in Berlin sowohl eine Minderheitsregierung als auch das BSW-Angebot ab, ihn im dritten Wahlgang durch Stimmenthaltung zum Ministerpräsidenten zu machen. „Wir wollen uns nicht verbiegen“, sagte er - und schloss zugleich aus, das eigene Programm für eine Koalition zu verwässern. Die Union will weder mit der AfD noch mit der Linken koalieren, das BSW wiederum lehnt Sven Schulze als Ministerpräsidenten ab. Rechnerisch bleibt damit vor allem eine Option: der Gang in Neuwahlen, den Siegmund öffentlich in den Raum stellte.
Aus der Bundesregierung kamen am Montagvormittag zunächst Beruhigungssignale. CDU-Staatsminister Philipp Amthor mahnte gegenüber Journalisten, „Reformen zu hinterfragen wäre die komplett falsche Antwort“ auf das Ergebnis. Für 13:30 Uhr hatte Merz eine gemeinsame Pressekonferenz mit Schulze angekündigt - sein erster öffentlicher Auftritt seit dem Wahlabend, den er im Konrad-Adenauer-Haus verfolgt hatte. Bis dahin lag der bundespolitische Ton allein bei der AfD, die den Sonntag als Startsignal für einen anderen Wahlkampf verstand: den um die Bundestagswahl.