Am Rand des AfD-Bundesparteitags in Erfurt sind am Samstag mehrere Journalisten angegriffen worden. Nach Angaben der Thüringer Polizei erlitten zwei Reporter Verletzungen durch Flaschenwürfe aus einer Versammlung, einer von ihnen wurde per Rettungswagen zur weiteren Behandlung gebracht. Ein Team des rechtslibertären Portals Apollo News berichtete zusätzlich von einem Angriff auf der Straße des Friedens in der Erfurter Innenstadt.
„Meinen Kollegen wurde vor Ort medizinisch geholfen: Platzwunden, Schürfwunden, Prellungen“, schrieb Apollo-News-Chefredakteur Max Mannhart auf der Plattform X. Rund ein Dutzend Demonstranten habe die Reporter verfolgt, einer sei mit einem Tritt gegen den Hinterkopf zu Boden gebracht worden, weitere Tritte seien gefolgt, bis die Polizei eingriff. Watson berichtet zudem von Angriffen auf Journalisten der Wochenzeitung Junge Freiheit; Focus Online und Welt veröffentlichten nach eigenen Angaben Videoaufnahmen der Übergriffe.
Ein Polizeisprecher teilte am frühen Samstagabend mit, dass Ermittlungen laufen. „Angriffe auf Journalistinnen und Journalisten werden von uns konsequent verfolgt“, zitierte t-online den Beamten. Bereits im Vorfeld habe die Behörde eigene Medienschutzteams und eine Hotline für Übergriffe eingerichtet, insbesondere mit Blick auf Livestreamer.
Meinen Kollegen wurde vor Ort medizinisch geholfen: Platzwunden, Schürfwunden, Prellungen.
Autobahn A71 stundenlang lahmgelegt
Das Protestbündnis „Widersetzen“ hatte den Parteitag mit Blockaden verhindern wollen. Ab dem frühen Morgen setzten sich tausende Demonstranten auf die Autobahn 71 nahe des Erfurter Kreuzes; auf einem Abschnitt versperrte ein quergestellter Lkw kurzzeitig beide Fahrtrichtungen, wie die taz aus ihrem Liveticker meldete. Erst am Vormittag konnte die Polizei die Fahrbahnen wieder freiräumen. Die AfD hatte darauf reagiert, indem sie ihre Delegierten ab etwa 4:30 Uhr in Bussen zu Sammelpunkten außerhalb der Stadt und von dort in die Messehalle brachte.
Der Parteitag begann laut ZDFheute pünktlich um 10:05 Uhr; rund 540 der 600 stimmberechtigten Delegierten waren nach Angaben der Parteitagsleitung anwesend. Die Polizei sprach am Mittag von 31.000 Teilnehmenden an den Gegenprotesten, das Bündnis „Widersetzen“ reklamierte mehr als 50.000, davon rund 17.000 in Blockadeaktionen. Es war nach Angaben der Veranstalter der bislang größte Protest gegen einen AfD-Bundesparteitag. Die Thüringer Polizei sprach vom größten Einsatz im Freistaat seit der Wiedervereinigung.
Störaktion im Saal, harte Worte aus Erfurt
Auch innerhalb der Halle blieb der Parteitag nicht ohne Zwischenfälle: Während der Kandidatur des thüringischen Landeschefs Stefan Möller für den stellvertretenden Bundesvorsitz spielte jemand den Imperial March aus Star Wars auf einer Blockflöte, wie die taz und ZDFheute übereinstimmend berichteten. Techniker orteten versteckte Bluetooth-Lautsprecher hinter der Bühne und schalteten sie ab. Zuvor hatten Alice Weidel (81,3 Prozent) und Tino Chrupalla (70,5 Prozent) ihre Wiederwahl an der Doppelspitze gesichert.
Aus der Stadtgesellschaft kam scharfe Kritik am Parteitag. Der frühere thüringische Ministerpräsident Bodo Ramelow sagte laut ZDFheute, Erfurt stehe „für Freiheit“ und ein „bunt gelebtes Miteinander“. DGB-Chefin Yasmin Fahimi bezeichnete die Landeshauptstadt am Rand einer Kundgebung als „Ort des Widerstands“ und forderte erneut ein Parteiverbotsverfahren gegen die AfD.
Bis zum Nachmittag registrierte die Polizei nach eigenen Angaben 48 Straftaten und 11 Ordnungswidrigkeiten sowie 16 angemeldete Versammlungen. Der Gesamtverlauf sei „überwiegend friedlich“ gewesen. Am Sonntag geht der Parteitag mit weiteren Personalwahlen und Programmdebatten in seinen zweiten Tag; die Behörden rechnen weiter mit Blockadeversuchen im Umfeld der Messe.