Im brasilianischen Amazonasgebiet ist von Januar bis Juni 2026 so wenig Regenwald gerodet worden wie seit zehn Jahren nicht mehr. Nach Daten des Nationalen Instituts für Weltraumforschung (INPE) verlor der Amazonas in den ersten sechs Monaten 1.295 Quadratkilometer - ein Rückgang von 38 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum und der niedrigste Halbjahreswert seit Beginn der Auswertung im Jahr 2016. Die Zahlen veröffentlichte das Institut am Freitag in Brasília.

Auch die Cerrado-Savanne, die zweitgrößte Vegetationszone Brasiliens, meldet einen historischen Rückgang. Dort wurden im ersten Halbjahr 3.142 Quadratkilometer freigelegt - der niedrigste Wert seit 2021. Beide Ökosysteme werden von INPE über das Frühwarnsystem DETER per Satellit erfasst.

Silva peilt Null-Abholzung bis 2030 an

Umweltministerin Marina Silva sieht die Regierung auf Kurs. Setze sich der Trend fort, könne 2026 zum historischen Tiefstand für die Amazonas-Rodung werden, seit die Aufzeichnungen 1988 begannen. Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hat sich völkerrechtlich verpflichtet, die illegale Abholzung bis 2030 auf null zu senken. Seit der Regierungsübernahme im Januar 2023 hat sich die gerodete Fläche im Amazonas halbiert; unter Vorgänger Jair Bolsonaro war die Zerstörung 2022 auf den höchsten Wert seit Jahren gestiegen.

Wenn wir ein gutes Ergebnis erzielen, müssen wir uns der nächsten Herausforderung stellen. Unser Ziel ist es, die Abholzung bis 2030 auf null zu reduzieren.
- Marina Silva, brasilianische Umweltministerin

Politisch fällt der Erfolg in eine heikle Phase. Im November richtet Brasilien in Belém am Amazonasfluss die Weltklimakonferenz COP30 aus; die Regierung wirbt dort mit ihrer Wald-Bilanz. Zugleich hat Lula im vergangenen Jahr die Genehmigung für Ölbohrungen des Staatskonzerns Petrobras an der Amazonasmündung vor der Küste des Bundesstaates Amapá verteidigt. Umweltverbände und Teile der Grünen-Bewegung werfen der Regierung vor, mit dem Projekt „Foz do Amazonas“ die eigenen Klimaziele zu untergraben.

Auch die neuen INPE-Werte sind kein Freibrief. Das Frühwarnsystem DETER erfasst nur Rodungen ab drei Hektar Größe; die jährliche Grundlagenzahl liefert das genauere System PRODES, das im November veröffentlicht wird und den Zeitraum August bis Juli abdeckt. Erst diese Bilanz zeigt, ob 2026 die Rekordmarke von 2015 - dem bislang niedrigsten Wert der Zeitreihe - tatsächlich unterbietet.