Es gibt Spiele, die als Übergänge gelten, und es gibt Spiele, die Übergänge sind. Was am Mittwochabend in der BayArena passierte, gehört zur zweiten Kategorie. Der FC Bayern verlor 1:3, aber die Niederlage war nur der äußere Befund. Was tatsächlich verloren ging, war die Vorstellung, dass diese Saison noch einen Plan hat.
Die ersten 45 Minuten waren ein anderes Spiel. Bayern führte 1:0, dominierte die Mittelfeldzentrale, und Leverkusens Xabi Alonso wechselte zur Halbzeit zwei Spieler aus — eine Geste, die in München als Eingeständnis gelesen wurde. Drei Stunden später wirkte sie wie ein Manöver, das genau wie geplant funktionierte.
Es war nicht das Ergebnis, das überraschte. Es war das Tempo, mit dem Bayern aufgehört hat, Bayern zu sein.
Die Wende kam in der 58. Minute. Florian Wirtz, bis dahin von Joshua Kimmich verfolgt wie ein Schuldner von einem Inkasso, fand für 23 Sekunden eine Lücke. In diesen 23 Sekunden lief er sechsmal an die Linie, zog drei Bayern-Spieler aus ihrer Position, und Granit Xhaka spielte den entscheidenden Pass. Das 1:1 war der Beginn eines Zusammenbruchs, der so vollständig war, dass er retrospektiv organisiert wirkt.
Was die Analyse-Daten zeigen — und was nach dem Spiel auch Thomas Tuchel andeutete — ist ein strukturelles Problem, kein taktischer Ausrutscher. Bayern hat in den letzten elf Bundesligaspielen 14 Tore in der zweiten Halbzeit kassiert. Das ist mehr als jeder andere Klub in der oberen Tabellenhälfte. Und es ist eine Zahl, die zu Personalentscheidungen führen wird, nicht zu Aufstellungsänderungen.
Sportdirektor Max Eberl sprach nach dem Spiel von „internen Gesprächen“. In der Vergangenheit war das in München ein Code für Konsequenzen, die innerhalb von 48 Stunden öffentlich werden. Diesmal könnten sie sich länger ziehen. Tuchel hat einen Vertrag bis 2027, und die Klubführung ist nach dem Karneval der letzten drei Trainerwechsel offenbar bereit, durchzuhalten — zumindest bis zum Saisonende.
Aber die zweite Halbzeit von Leverkusen wird nicht vergessen werden. Sie wird auf den Aufnahmen der Sportgerichtsbarkeit landen, sie wird in den Berichten der Aufsichtsräte zitiert werden, und sie wird das Frühjahr definieren, das jetzt anfängt.