Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Bosch Mobility, Frank Sell, hat am Sonntag einen runden Tisch für die deutsche Autoindustrie gefordert. In einem Interview mit dem Spiegel verlangte Sell eine Taskforce aus Vertretern der Automobil- und Zulieferindustrie, der Beschäftigten, der Gewerkschaften und der Politik. „Wir können nicht so weitermachen wie bisher“, sagte Sell dem Nachrichtenmagazin. Die Arbeitsgruppe dürfe sich erst auflösen, „wenn sie Lösungen erarbeitet hat, die die Zukunft der Branche in Deutschland sichern“.
Der Vorstoß fällt in eine Phase, in der der Konflikt zwischen Belegschaften und Konzernspitzen an mehreren Standorten eskaliert. Am vergangenen Freitag hatten sich nach Angaben der IG Metall bundesweit mehr als 33.000 Mercedes-Benz-Beschäftigte an Kundgebungen gegen den Sparkurs von Vorstandschef Ola Källenius beteiligt. In den Stammwerken Sindelfingen und Untertürkheim sowie in Bremen, Rastatt und Berlin standen die Bänder zeitweise still.
Bei Mercedes geht es um das Programm „Next Level Performance“, mit dem Källenius bis 2027 jährlich fünf Milliarden Euro einsparen will. Vorgesehen sind eine Ausweitung der Wochenarbeitszeit auf 40 Stunden ohne Lohnausgleich, weitgehende Einschränkungen beim mobilen Arbeiten sowie die Verschiebung einer Sonderzahlung für rund 90.000 Beschäftigte in Höhe von 18,4 Prozent eines Monatsentgelts. Bei Bosch selbst und im Volkswagen-Konzern stehen ebenfalls Sparprogramme im Raum.
Wir können nicht so weitermachen wie bisher.
Autokorso am 9. Juli in Baden-Württemberg
Die IG Metall hat für den 9. Juli einen Autokorso in Baden-Württemberg angekündigt und weitere Aktionen beim Volkswagen-Konzern in Aussicht gestellt. Die Gewerkschaft hatte zuvor einen „heißen Sommer und Herbst“ in der Branche in Aussicht gestellt. Sell warnt vor einem drohenden Verlust industrieller Substanz. Die Konflikte drehten sich, so der Bosch-Betriebsrat gegenüber dem Spiegel, im Kern um Arbeitszeit und Sparprogramme. Ohne eine gemeinsame Strategie von Konzernen, Gewerkschaften und Politik werde die Krise nicht zu bewältigen sein.
Bosch beschäftigt in Deutschland rund 130.000 Menschen, ein Großteil davon in Baden-Württemberg. Der Zulieferer hat in den vergangenen Monaten mehrfach Sparpläne angekündigt, insbesondere in seiner Mobility-Sparte, die Kernbereiche wie Verbrennungsmotoren-Zulieferung, Elektrifizierung und Software zusammenfasst. Eine offizielle Reaktion der Bundesregierung auf Sells Forderung lag am Sonntagabend noch nicht vor.