Brasilien hat sich am Montagabend in Houston ins Achtelfinale der Fußball-WM 2026 gerettet. Beim 2:1 gegen Japan im Sechzehntelfinale fiel der Siegtreffer durch Gabriel Martinelli erst in der fünften Minute der Nachspielzeit, nach einer Vorlage von Bruno Guimarães. Bis dahin hatte Carlo Ancelottis Mannschaft gegen ein kompaktes Japan keine Lösung gefunden. Vor 68.777 Zuschauern im Houston Stadium leitete Mainz-Profi Kaishu Sano in der 29. Minute eine der größten Sensationen des Turniers ein, die in den Schlussminuten doch noch ausblieb.

Sano hatte einen Fehlpass von Brasiliens Rechtsverteidiger Danilo an der Mittellinie abgefangen, Casemiro im Sprintduell stehen lassen und aus etwa 20 Metern flach ins lange Eck eingeschoben - sein erstes Tor im japanischen Nationaltrikot. Brasilien wirkte danach kurzzeitig aus dem Tritt, zur Pause stand es 0:1. Eine Strafraumszene um Stürmer Matheus Cunha, der nach einem Kontakt mit Sano in der 23. Minute zu Boden gegangen war, ließ der italienische Schiedsrichter Maurizio Mariani durchlaufen, wie der Spielbericht von Sky Sport Austria festhält.

Ancelotti reagierte zur Halbzeit mit Endrick für den angeschlagenen Lucas Paquetá. In der 56. Minute traf Casemiro nach einer Flanke von Gabriel Magalhães per Kopf zum 1:1, der frühere Real-Madrid-Profi war am langen Pfosten zur Stelle. Brasilien hatte das Spiel nun im Griff, doch Japan verteidigte mit Disziplin: Takehiro Tomiyasu klärte einen weiteren Casemiro-Kopfball auf der Linie, Torhüter Zion Suzuki parierte mehrfach, einmal hielt der Pfosten Vinicius Júnior auf. Erst nach Martinellis Hereinnahme in der 66. Minute kippte der Rhythmus endgültig zugunsten der Seleção.

Den entscheidenden Treffer setzte der Arsenal-Profi in der fünften Minute der Nachspielzeit: Bruno Guimarães steckte aus dem Halbfeld in den Strafraum durch, Martinelli nahm den Ball mit dem ersten Kontakt mit und versenkte ihn aus kurzer Distanz. Während die brasilianischen Spieler Richtung Eckfahne stürmten, blieben die japanischen Profis auf dem Rasen sitzen. „Leiden gehört dazu, das ist Teil davon“, fasste Ancelotti den Abend zusammen, zitiert via Sky Sport Austria. „Wir hatten auf dem Platz und auf der Bank genug Qualität, um auf den Spielverlauf zu reagieren.“

Wir wollten von Anfang an Druck machen. Wir haben dann ein Tor kassiert, aber wir haben nicht die Geduld verloren, sondern weitergespielt. Ich denke, der Sieg war verdient.
- Carlo Ancelotti, Brasiliens Trainer, nach dem Spiel

Japans fünfter K.-o.-Anlauf endet wie die vier davor

Für Japan ist es die fünfte Niederlage im fünften WM-K.-o.-Spiel seit dem ersten Antritt 2002 in Niigata. 2010 in Pretoria scheiterte das Team an Paraguay im Elfmeterschießen, 2018 in Rostow an Belgien nach 2:0-Führung, 2022 in Doha erneut per Elfmeterschießen gegen Kroatien. Diesmal war es eine einzige Aktion in der Nachspielzeit, die das WM-Aus besiegelte. Trainer Hajime Moriyasu dürfte in den kommenden Tagen analysieren müssen, warum sein Team die Führung bis tief in die Schlussphase verteidigte und am Ende doch noch verlor. Sano, in der vergangenen Bundesligasaison Stammspieler in Mainz, hat sich mit seinem Treffer in Houston international Aufmerksamkeit verschafft.

Brasilien spielt am 5. Juli im Achtelfinale gegen den Sieger der Begegnung zwischen der Elfenbeinküste und Norwegen, die am Dienstag in Atlanta ausgetragen wird. Für Ancelotti, der die Seleção seit Mai 2025 betreut, war es der bisher schwierigste Abend einer ansonsten souverän verlaufenden Vorrunde. Die Defensivpatzer in der ersten Halbzeit, allen voran Danilos Fehlpass vor dem Gegentreffer, dürften in der Nachbereitung im Trainingslager Thema werden.