Norwegen hat den fünfmaligen Weltmeister Brasilien am Sonntag im Achtelfinale der WM 2026 mit 2:1 (0:0) besiegt und steht erstmals in seiner Geschichte im Viertelfinale eines WM-Turniers. Erling Haaland traf im MetLife Stadium in East Rutherford in der 79. und 90. Minute jeweils nach Vorarbeit von Andreas Schjelderup, Neymar gelang in der zehnten Minute der Nachspielzeit per Elfmeter nur noch der Anschluss. Für die Seleção ist es das erste WM-Aus vor der Runde der letzten Acht seit 1990.
Das Spiel hätte in der 14. Minute anders kippen können. Nach Videobeweis entschied Schiedsrichter Jesús Valenzuela auf Elfmeter für Brasilien, Bruno Guimarães trat an - und scheiterte zentral an Ørjan Nyland. Der 34-jährige Torwart des FC Sevilla hielt sein Team bis zur Halbzeit im Spiel, als Brasilien laut Opta-Statistik knapp 69 Prozent Ballbesitz kontrollierte, aber gegen tief gestaffelte Norweger kaum zwingende Chancen fand. „Ich war gerade jetzt bärenstark“, beschrieb Nyland seine Leistung im Anschluss gegenüber NRK. Ein früher Kopfballtreffer von Patrick Berg zählte in der dritten Minute wegen einer knappen Abseitsstellung nicht.
Nach der Pause blieb Brasilien am Ball, aber Ancelottis Einwechslungen zeigten wenig Wirkung. In der 67. Minute brachte der Trainer Neymar für Andreas Pereira, doch das entscheidende Tor fiel auf der anderen Seite. In der 79. Minute flankte Schjelderup vom linken Flügel, Haaland stieg im Fünfmeterraum hoch und köpfte unhaltbar in den langen Winkel - sein sechster Treffer im Turnier. Elf Minuten später wiederholte sich die Konstellation. Schjelderup bediente Haaland an der Strafraumkante, der Manchester-City-Stürmer nahm den Ball ohne Verzögerung mit dem linken Fuß und traf platziert unten links. Zwei Vorlagen, zwei Tore - Schjelderup und Haaland als Achse einer historischen Nacht.
Solbakkens Ankündigung, die keine Prahlerei war
Nach dem Sechzehntelfinale gegen die Elfenbeinküste hatte Ståle Solbakken in der Kabine gerufen: „Carlo Ancelotti, wir kommen, um dich zu holen.“ Aufnahmen des Videoteams des norwegischen Verbandes gingen viral, ESPN musste anschließend eine Erklärung des 58-Jährigen einholen, in der Solbakken versicherte, den italienischen Trainer nicht disrespektiert zu haben - „es ist eine große Ehre, gegen Carlo Ancelotti zu spielen.“ Auf der Pressekonferenz vor dem Achtelfinale hatte er einen Vergleich zwischen den beiden Zentralstürmern gezogen: „Wenn man mit jemandem aus Texas spricht, der Stierkampf mag und noch nie Football gesehen hat, würde er sagen, Haaland sei eine Maschine. Und Vinicius ist wahrscheinlich eher ein Tänzer, jemand, der mit dem Ball tanzt.“
Carlo Ancelotti, wir kommen, um dich zu holen.
Für Ancelotti, seit einem Jahr Nationaltrainer, endet die WM früher als in jeder anderen K.-o.-Runde seiner Karriere. Der 66-Jährige hatte vor dem Spiel gegenüber Sport1 gewarnt: „Wir zeigen gute Leistungen, aber man darf sich nie zufriedengeben.“ Ein später Elfmeter in der zehnten Minute der Nachspielzeit ließ die Seleção noch einmal hoffen - Leo Østigård traf Casemiro im Strafraum mit dem Ellbogen, Valenzuela zeigte auf den Punkt, Neymar verwandelte. Anschluss statt Ausgleich: Das Schlusspfiff-Signal fiel unmittelbar nach dem Wiederanstoß, ein Kontinent stand im Halbfinale-Kampf, ein anderer im Halbschatten.
Norwegen wartet nun auf den Sieger des Achtelfinales zwischen Mexiko und England, das in der Nacht auf Montag im Aztekenstadion angestoßen wird. Für die Skandinavier, die zwischen 1998 und 2026 an keinem WM-Turnier teilnahmen, bedeutet der Abend eine sportliche Zäsur. „Es wird Norwegen für immer verändern“, hatte Haaland schon nach dem Sieg gegen die Elfenbeinküste dem Sender NRK gesagt. Am Sonntag lieferte er den zweiten Beweis dafür.