Der Iran hat am Samstag mit der öffentlichen Trauerfeier für den getöteten Obersten Führer Ali Chamenei begonnen. Der Leichnam des am 28. Februar bei einem israelisch-amerikanischen Luftangriff auf seine Residenz getöteten 86-Jährigen wird in Teherans Großmoschee Mosalla hinter Glas aufgebahrt, neben den Särgen mehrerer Familienangehöriger. Die Behörden erwarten nach eigenen Angaben zwischen 15 und 20 Millionen Trauergäste allein in Teheran - es wäre die größte Staatstrauer in der Geschichte der Islamischen Republik.

Nach Angaben der Regierung sind Delegationen aus rund 30 Staaten angereist, darunter der frühere russische Präsident Dmitri Medwedew als Sonderabgesandter Wladimir Putins, Pakistans Ministerpräsident Shehbaz Sharif mit Armeechef Asim Munir, der Taliban-Außenminister Amir Khan Muttaqi, der irakische Staatspräsident Nizar Amidi, der türkische Vizepräsident Cevdet Yilmaz und der Vizevorsitzende des Ständigen Ausschusses des Chinesischen Volkskongresses. Aus Europa nimmt niemand teil. Außenamtssprecher Esmaeil Baghaei sagte laut Euronews, „kein europäisches Land ist offiziell eingeladen worden", die Anwesenden stünden „auf der richtigen Seite der Geschichte", jene mit „unangemessener Position" zum US-israelischen Angriff dagegen nicht.

Nach drei Tagen Aufbahrung in Teheran wird der Leichnam zunächst in die schiitische Pilgerstadt Ghom überführt. Die Beisetzung ist für kommenden Donnerstag am Schrein des Imam Reza in Chameneis Heimatstadt Maschhad geplant, einer der heiligsten Stätten des schiitischen Islam. Teheran, Ghom und Maschhad sind während der Zeremonien abgeriegelt, Behörden und Betriebe in der Hauptstadt bleiben von Samstag bis Montag geschlossen. Nach Angaben iranischer Medien sind rund 65.000 Sicherheitskräfte in Teheran und weitere 200.000 in den betroffenen Provinzen im Einsatz.

Unser Wort ist eins! Rache! Rache!
- Sprechchor der Trauernden vor der Mosalla-Moschee, laut ZDFheute

Bei Temperaturen über 30 Grad zogen bereits am Morgen schwarz gekleidete Trauerzüge mit Bannern und Flaggen durch die Hauptstadt. In der Moschee, die 40.000 Menschen fasst, waren nach t-online-Angaben am Vormittag deutlich weniger Trauernde als von den Behörden erwartet. Ein 33-jähriger Teilnehmer sagte dort dem Portal: „Ich bin hier, um Abschied vom Führer zu nehmen. Wir fordern Blutrache und wollen Vergeltung." Die Revolutionsgarden erklärten laut Reuters, „jede Fehlkalkulation wird mit einer härteren Antwort beantwortet als je zuvor".

Ungeklärte Nachfolge, ungewisse Sicherheitslage

Ob Chameneis Sohn Modschtaba an der Zeremonie teilnimmt, ließ die Führung bis zuletzt offen. Der 55-Jährige ist im März zum Nachfolger seines Vaters ernannt worden, hat sich seither aber nicht öffentlich gezeigt. Das Staatsfernsehen bezeichnete ihn nach ZDFheute-Recherchen zwischenzeitlich als „Kriegsopfer", ohne dies zu erläutern. In den Straßen Teherans ist die Stimmung gespalten: Neben den Massen der Regierungstreuen bleiben viele Kritiker fern, die im Januar in großer Zahl gegen die autoritäre Herrschaft demonstriert hatten.

Aus Washington kam derweil ein bemerkenswert nüchterner Ton. US-Präsident Donald Trump erklärte am Rande der Unabhängigkeitsfeiern zum 250. Jahrestag, Teheran sei verhandlungsbereit: „Sie können es kaum erwarten, einen Deal zu machen. Sie wollen unbedingt einen Deal." Das im Juni auf Eis gelegte iranisch-amerikanische Rahmenabkommen aus Genf bleibt bis auf Weiteres suspendiert. Ob und wann sich die Diplomatie wieder in Bewegung setzt, dürfte auch davon abhängen, wie die neue Führung in Teheran den Übergang gestaltet - und ob sie das an diesem Wochenende geschworene Racheversprechen einlöst.