Der DAX hat am Donnerstag zum ersten Mal seit dem Januar einen neuen Schlussrekord aufgestellt. Der deutsche Leitindex ging mit 25.580,88 Punkten aus dem Handel, ein Plus von 2,16 Prozent oder rund 540 Punkten. Im Tagesverlauf war er bis auf 25.655 Zähler geklettert, wie der Handelsblatt-Marktbericht zum Handelsschluss festhielt.

Anstoß gaben zwei Impulse, die sich am Nachmittag überlagerten. Aus Berlin kam das in der Nacht verhandelte Reformpaket von Union und SPD, das die Regierungsspitzen um 9 Uhr im Garten des Kanzleramts vorgestellt hatten. Aus Washington kam ein Arbeitsmarktbericht, der die Erwartungen deutlich unterlief: Im Juni entstanden in den USA nur 57.000 neue Stellen, prognostiziert waren rund 110.000. Anleger lasen die schwache Zahl als Argument dafür, dass die Federal Reserve die Leitzinsen zumindest nicht anheben wird.

„Das ist ein ordentliches Paket, das den Standort Deutschland langfristig stärken sollte“, sagte ING-Chefsvolkswirt Carsten Brzeski dem Handelsblatt zum Berliner Kompromiss. Skeptischer bewertete Johannes Mayr, Chefvolkswirt bei Eyb & Wallwitz, den US-Bericht: „Die Fed dürfte die Daten als Bestätigung sehen, die Leitzinsen trotz deutlich erhöhter Inflation bis auf Weiteres unverändert zu halten“, zitierte ihn finanzen.net.

Infineon und Siemens Energy führen den Rekord an

Angetrieben wurde die Rally von den KI-nahen Werten im Index. Infineon und Siemens Energy zählten laut t-online zu den größten Gewinnern des Tages, weil Investoren auf steigende Strom- und Chipbedarfe im KI-Ausbau setzen. Auch der breiter gefasste EuroStoxx 50 schloss 1,4 Prozent höher bei rund 6.370 Punkten und bestätigte, dass der Impuls über den Frankfurter Handelsplatz hinausreicht.

Bemerkenswert ist, dass sich der Dax immer mehr von der heimischen Wirtschaftsentwicklung abkoppelt.
- Birgit Henseler, DZ Bank, gegenüber Handelsblatt

Die Analystin der DZ Bank verwies damit auf einen Widerspruch, der Beobachter seit Monaten beschäftigt: Konjunkturprognosen für Deutschland bleiben verhalten, die Bundesbank rechnet für das zweite Quartal weiter mit gedämpftem Wachstum, die 40 DAX-Konzerne aber machen einen wachsenden Teil ihres Geschäfts außerhalb Deutschlands. Der jüngste Sprung nach oben ist damit weniger ein Vertrauensvotum in die heimische Wirtschaft als in globale Trends: sinkende Zinsen in den USA, ein möglicher Fortschritt im Iran-Konflikt, anhaltende KI-Investitionen.

Der bisherige Rekord vom Januar hatte sechs Monate lang gehalten. Zwischen Januar und Juli hatte der Index mehrfach die Marke von 25.500 Punkten getestet, war aber jeweils an Konjunkturzahlen oder Handelsstreit-Meldungen abgeprallt. Ob das neue Hoch trägt, dürfte in den kommenden Handelstagen davon abhängen, wie Ratingagenturen und Bundestag auf das Reformpaket reagieren und welchen Ton Fed-Chef Jerome Powell auf der nächsten Sitzung anschlägt.