Am 23. Mai um 20 Uhr beginnt im Berliner Olympiastadion das 83. DFB-Pokal-Finale. Bayern München, mit 20 Titeln Rekordsieger des Wettbewerbs, trifft auf den VfB Stuttgart, Titelverteidiger des Vorjahres. Es ist die Begegnung zweier Klubs mit gegensätzlichen Pokal-Bilanzen: Bayern hat in den vergangenen drei Jahren keinen Pokal gewonnen, Stuttgart hatte vor dem Vorjahressieg über vier Jahrzehnte auf eine Trophäe gewartet.

Die Halbfinals haben das Finale auf eine kompakte Weise vorbereitet. Bayern setzte sich gegen Bayer Leverkusen mit 2:0 durch - ein Resultat, das in der DFB-Statistik nüchtern wirkt, im Spielverlauf aber auf eine zweite Halbzeit zurückgeht, in der die Münchner die Partie strukturell beherrschten. Stuttgart musste im Halbfinale gegen den SC Freiburg in die Verlängerung. Die Schwaben gewannen 2:1 vor 60.000 Zuschauern, eine Begegnung, die als eine der zähesten Halbfinal-Begegnungen der letzten Jahre gilt.

Geleitet wird das Finale von Sven Jablonski, der in dieser Saison zu den nominell stärksten Schiedsrichtern der Bundesliga gerechnet wird. Die Wahl ist deshalb relevant, weil das Olympiastadion in den vergangenen Jahren mehrfach für Schlüsselsituationen sorgte, die jeweils umstritten beurteilt wurden. Jablonski hat in dieser Saison überdurchschnittlich konsequent gepfiffen - was die Spielführer beider Mannschaften wissen werden.

Der Sieger des DFB-Pokals qualifiziert sich automatisch für die Gruppenphase der UEFA Europa League 2026/27.
- DFB-Wettbewerbsstatuten

Sportlich relevant ist die Konstellation auch jenseits der Trophäe. Der Sieger zieht direkt in die Gruppenphase der Europa League 2026/27 ein - eine Qualifikation, die für Stuttgart strategisch wertvoller ist als für Bayern, das ohnehin über den Liga-Weg in der Champions League oder zumindest Europa League landet. Für die Schwaben bedeutet ein Sieg die Sicherheit europäischer Spiele unabhängig vom Bundesliga-Endspurt.

Aus Kaderperspektive ist Bayern leichter Favorit. Der Klub hat in den letzten Wochen die Form gefunden, die zuvor inkonsistent war - zumindest in den entscheidenden Spielen. Stuttgart kommt mit einer Mannschaft, die zur Hälfte aus Spielern besteht, die im Sommer noch nicht da waren, und unter Trainer Sebastian Hoeneß eine identitätsstarke Saison gespielt hat. In Wettquoten der Buchmacher liegt Bayern bei rund 1,55, Stuttgart bei 5,5 - was die Kräfteverhältnisse spiegelt, aber den Cup-Modus mit seiner systembedingten Unberechenbarkeit nicht voll abbildet.

Berlin ist als Pokalstadt eingespielt. Der DFB verteilt traditionell jeweils etwa 24.000 Tickets an die beiden Finalisten, der Rest geht in den freien Verkauf und an Sponsoren. Auf den VfB-Public-Viewing-Anmeldungen registrierte der Klub allein in Stuttgart binnen Stunden ausverkaufte Veranstaltungen - ein Hinweis auf die emotionale Resonanz in einer Stadt, die nach Jahrzehnten ohne Pokaltitel im Vorjahr endlich wieder gewonnen hatte und nun die Verteidigung versuchen will.

Was am 23. Mai sportlich auf dem Spiel steht, ist also drei Dinge auf einmal. Erstens: der Pokal selbst, eine Trophäe, deren symbolische Bedeutung für beide Klubs unterschiedlich groß ist. Zweitens: die Europa-League-Qualifikation, die für Stuttgart Substanz, für Bayern Beigabe ist. Drittens: ein Statement über die Saison. Wer in Berlin gewinnt, kann den Rest der Sommerplanung aus einer Position relativer Stärke gestalten. Wer verliert, beginnt den Transfersommer mit einer offenen Wunde.

Anstoß ist am Samstag um 20 Uhr im Olympiastadion. Übertragung in der ARD und auf Sky. Die Wettervorhersage für Berlin spricht von trockenem Spätfrühling - was bedeutet, dass die Bedingungen den Spielcharakter weniger prägen werden als in manchen vorherigen Finals. Das Spiel wird sich auf dem Feld entscheiden, nicht im Wetter.