Das erste Halbfinale des Eurovision Song Contest 2026 in Wien hat seine zehn Finalisten produziert. Aus 15 Startern haben sich am Dienstagabend Belgien, Finnland, Griechenland, Israel, Kroatien, Litauen, Moldau, Polen, Schweden und Serbien für das Finale am Samstag qualifiziert. Fünf Beiträge sind ausgeschieden: Portugal, Georgien, Montenegro, Estland und San Marino verpassen damit das Endspiel in der Wiener Stadthalle.
Bemerkenswert ist die Bandbreite der Qualifikanten. Schweden, von Buchmachern als Top-Favorit gehandelt, ist mit Felicia und „My System“ durch. Moldau setzte mit Satoshis „Viva, Moldova“ durch, was nach Wochen voller Aufmerksamkeit auf dem deutschen Sozialweb erwartbar war. Israel, in den Wochen vor dem Wettbewerb von politischen Diskussionen begleitet, qualifizierte sich mit Noam Bettan und „Michelle“.
Die Reform des Abstimmungssystems hat ihre erste Praxisprobe bestanden. Jurys und Publikum bewerten in den Halbfinals wieder gemeinsam - eine Rückkehr zum Modell von 2010 bis 2022. Die genauen Punktverteilungen veröffentlicht die European Broadcasting Union erst nach dem Finale am Samstag, was direkte Vergleiche der einzelnen Beiträge untereinander erschwert. Was sichtbar ist: zwei klassische Pop-Beiträge (Schweden, Israel) und mehrere identitätspolitisch oder folkloristisch geprägte Stücke (Moldau, Litauen, Griechenland) sind durch.
Die genaue Punktverteilung wird erst nach dem Finale am Samstag veröffentlicht.
Aus deutscher Sicht ist das Halbfinale relevant, ohne direkt entscheidend zu sein. Sarah Engels, die mit „Fire“ für die ARD ins Rennen geht, ist als Vertreterin eines Big-Five-Lands automatisch fürs Finale qualifiziert. Ihre Probe-Auftritte rund um das erste Halbfinale wurden in den Wiener Pressekonferenzen aufgenommen - aber als Big-Five-Akt steht sie weder in der Konkurrenz um Halbfinal-Punkte noch in der Vorab-Wahrnehmung der Punkte-Jurys, die für das Finale neu gewichtet werden.
Die Aussortierten lassen sich grob in zwei Gruppen einteilen. Estland und San Marino gehören zu den klassischen Außenseitern, deren Scheitern an der Halbfinal-Hürde nicht überrascht. Portugal hingegen hatte mit den Bandidos do Cante einen ungewöhnlichen Beitrag - traditionelle portugiesische Vokalmusik - geschickt und galt im Vorfeld als Wackel-Kandidat. Auch Georgiens Auftritt mit Bzikebi war von Fan-Diskussionen polarisiert; das Scheitern wird in der Eurovision-Community erwartbar diskutiert werden.
Was am Donnerstag im zweiten Halbfinale folgt, ist die zweite Hälfte des Finale-Feldes. Weitere zehn Plätze werden vergeben, dann steht das Starterfeld für Samstag fest. Bis dahin hat die EBU noch zwei Tage, in denen die organisatorische Maschine in der Wiener Stadthalle weiterläuft - mit dem Druck, dass jede technische oder politische Komplikation jetzt direkt auf das Finale durchschlagen würde.