Für den Ersatzneubau der Fechinger Talbrücke im Zuge der Bundesautobahn 6 hat am Dienstag das Planfeststellungsverfahren begonnen. Die Autobahn GmbH des Bundes stellt die Antragsunterlagen ab dem 2. September bis zum 1. Oktober 2026 ausschließlich digital auf dem bundeseigenen Antrags- und Beteiligungsportal für Verkehr und Offshorevorhaben ein. Einwendungen können bis zum 13. Oktober über eine BundID-Anmeldung eingereicht werden. Die knapp 63 Jahre alte Balkenbrücke im Saarbrücker Stadtteil Brebach-Fechingen soll zwischen den Anschlussstellen Fechingen und St. Ingbert durch zwei parallel geführte Teilbauwerke ersetzt werden.

Nach Angaben der Autobahn GmbH kostet das Gesamtprojekt rund 170 Millionen Euro. Es umfasst neben der eigentlichen Talbrücke die darunter liegende Zubringerbrücke, den Umbau der Anschlussstelle Saarbrücken-Fechingen sowie die Anpassung der Landesstraße L107. Verbaut werden etwa 18.400 Kubikmeter Beton, 2.400 Tonnen Bewehrungs- und 8.600 Tonnen Konstruktionsstahl. Den 2018/2019 ausgelobten internationalen Realisierungswettbewerb hatten die Schüßler-Plan Ingenieurgesellschaft aus Frankfurt und das Londoner Büro DKFS Architects gewonnen. Ein Bürgerinformationsabend fand bereits am 1. September im Brebacher Gymnasium statt.

43.000 Fahrzeuge täglich, Denkmalschutz von 1963

Die 1963 eröffnete Bestandsbrücke, konstruiert vom Saarbrücker Ingenieurbüro B. Seibert, ist 410 Meter lang, 25 Meter breit und 49 Meter hoch. Auf der A6-Ost-West-Achse zwischen Mannheim und der französischen Grenze überqueren sie täglich rund 43.000 Fahrzeuge, knapp 13 Prozent davon Schwerverkehr. Trotz Denkmalschutzstatus sei die schlanke Bauart „für den heutigen Schwerverkehr nicht mehr ausreichend tragfähig“, teilte die Autobahn GmbH mit. Baurecht wird nach Angaben der Behörde Mitte 2027 erwartet, der Baubeginn Ende 2027, die Fertigstellung des Ersatzbauwerks im Jahr 2033.

Bauartbedingte, massive statische Defizite, die bei früheren Regelprüfungen nicht erkennbar waren.
- Landesbetrieb für Straßenbau Saarland, Begründung der Sperrung vom März 2016

Die Vorgeschichte prägt das Projekt bis heute. Am 24. März 2016 sperrte der Landesbetrieb für Straßenbau die Brücke nach bundesweiten Sonderprüfungen kurzfristig vollständig, weil an den Stahlhohlpfeilern statische Defizite festgestellt worden waren. Für Pkw wurde die Talbrücke am 16. Mai 2016 wieder freigegeben, für Lkw über 3,5 Tonnen erst am 31. Oktober nach einer Ertüchtigung der Pfeiler, wie das Land seinerzeit dokumentierte. Die Notinstandsetzung, bei der unter anderem Betonkappen abgetragen und die Hohlpfeiler innen verstärkt wurden, kostete mehr als zehn Millionen Euro.

Um die Ost-West-Verbindung während der Bauzeit offenzuhalten, plant die Autobahn GmbH die neuen Teilbauwerke sequenziell: zuerst entsteht die Richtungsfahrbahn Saarbrücken-Mannheim neu, dann wird der Verkehr umgeleitet, danach folgen Abriss des Altbauwerks und Neubau der zweiten Richtungsfahrbahn. Nach Abschluss des Auslegungszeitraums prüft das Fernstraßen-Bundesamt die Einwendungen und entscheidet über die Planfeststellung. Die Fechinger Talbrücke reiht sich damit in eine wachsende Liste von Ersatzneubauten an Autobahnen ein, von der Rheinbrücke Bonn-Nord bis zur Berliner Mühlendammbrücke.