Frankreich hat sich als erstes Team für das Halbfinale der Fußball-WM 2026 qualifiziert. Der Weltmeister von 2018 gewann am Donnerstagabend das erste Viertelfinale gegen Marokko im Gillette Stadium in Foxborough mit 2:0 (0:0) und wartet nun auf den Sieger der Partie Spanien gegen Belgien am Freitag. Es war die Neuauflage des WM-Halbfinales von 2022, das die Équipe Tricolore in al-Chaur mit 2:0 gewonnen hatte.

Über eine Stunde lang trug die Mauertaktik von Trainer Mohamed Ouahbi. Marokko stand tief, verteidigte mit elf Mann in der eigenen Hälfte und überstand auch einen der frühen Aufreger: In der 22. Minute foulte Noussair Mazraoui Kylian Mbappé im Strafraum, der Argentinier Facundo Tello zeigte nach VAR-Check auf den Punkt. Doch Mbappés Elfmeter landete zentral, Torhüter Yassine Bounou parierte souverän - der Ex-Sevilla-Keeper hat bei Weltmeisterschaften erst zwei von neun Strafstößen zugelassen. „Bounou ist einer der besten Torhüter der Welt, das hat er wieder bewiesen“, sagte Ouahbi vor der Partie über seinen Schlussmann - der Satz sollte sich als kleine Prophezeiung erweisen.

Die Entscheidung fiel dann binnen sechs Minuten. In der 60. Minute setzte Mbappé von der Strafraumgrenze zum Schlenzer an, der Ball flog zentimetergenau in den langen Winkel - das 20. WM-Tor des Kapitäns in seinem 20. Turnierspiel, sein achter Treffer bei diesem Turnier. Sechs Minuten später legte Ousmane Dembélé mit einem Schuss ins lange Eck zum 2:0 nach, sein fünftes Turniertor. Marokko verlor damit in der regulären Spielzeit erstmals bei dieser WM. „Wir haben mit einer Stunde Verspätung Fußball gespielt und dann eiskalt zugeschlagen - dieses Team weiß, wie man solche Spiele löst“, sagte Trainer Didier Deschamps nach Abpfiff.

Marokko ist ein wirklich exzellentes Team mit Weltklasse-Individualisten. Sie sind nicht hier, um zu spielen. Sie sind hier, um zu gewinnen.
- Didier Deschamps, Frankreichs Trainer

Für Marokko endet das Turnier damit im Viertelfinale - eine Runde vor dem historischen 2022er-Halbfinale unter Walid Regragui. Ohne den mit einer Muskelverletzung ausgefallenen Turniertorschützen Ismail Saibari fehlten Ouahbis Elf die zwingenden Momente nach vorne; einzig Azzedine Ounahi vom SGE-Rivalen Eintracht Frankfurt kam zu einer nennenswerten Torchance. „Ich mag dieses Gefühl nicht, dass wir sagen könnten, alles bis hierher war großartig und der Rest ist Bonus“, hatte Ouahbi vor dem Spiel bei der Pressekonferenz gesagt. „Nein, der einzige Bonus ist, Weltmeister zu werden.“ Die Zuschauer in Foxborough dankten seinem Team am Ende mit Standing Ovations.

Wie es für Deschamps' Team weitergeht

In der 77. Minute nahm Deschamps seinen Kapitän mit einer leichten Blessur am Sprunggelenk vom Feld, Mbappé musste an der Seitenlinie gekühlt werden. Der französische Verband gab bereits Entwarnung: Bis zum Halbfinale am kommenden Dienstag in Dallas werde die Belastung normal aufgebaut. Dort trifft die Équipe Tricolore auf den Sieger des Freitagsspiels zwischen Spanien und Belgien. Für Frankreich ist es das dritte WM-Halbfinale in Folge - und Deschamps' Aussicht, seine Bilanz als längstdienender französischer Bundestrainer mit einem zweiten WM-Titel zu krönen, bleibt real, wie der Kicker nach Abpfiff einordnete.