Auf der niederländischen Expeditionsyacht MS Hondius, die am 1. April 2026 zu einer Antarktis-Reise im Süden Argentiniens aufgebrochen war, ist ein Ausbruch des südamerikanischen Andes-Hantavirus bestätigt worden. Drei Personen sind nach Stand vom 10. Mai gestorben, darunter ein älteres niederländisches Paar und eine deutsche Frau. Acht Fälle insgesamt wurden vom Europäischen Zentrum für Krankheitsprävention (ECDC) bislang erfasst.
Die übrigen deutschen Passagiere wurden am 10. Mai unter Schutzvorkehrungen nach Deutschland zurückgeführt und befinden sich in Quarantäne. Eine 65-jährige Deutsche, die ohne Symptome direkten Kontakt zu einem bestätigten Fall hatte, wurde zur vorsorglichen medizinischen Beobachtung an die Universitätsklinik Düsseldorf verlegt. Der Andes-Virus, eine besonders virulente Spezies der Hantavirus-Familie, ist klassisch in Patagonien und im Süden Chiles endemisch. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist bei Andes-Virus dokumentiert, was diese Spezies von den meisten anderen Hantaviren unterscheidet.
Südamerikanische Hantaviren können ein schweres pulmonales Krankheitsbild mit rascher Verschlechterung und hoher Letalität verursachen.
Das ist auch der Grund, warum die WHO eine mögliche Mensch-zu-Mensch-Übertragung untersucht: Die Erkrankungsclusterung an Bord eines geschlossenen Schiffs ist nicht ungewöhnlich für direkten Kontaktinfektionsweg. Trotz dieser Beobachtung bewertet das ECDC das Risiko für die europäische Bevölkerung als „sehr gering“. Die WHO stuft die globale Gefahrenlage als niedrig ein.
Für Deutschland hat der Ausbruch eine eingegrenzte Relevanz. Die in Deutschland heimischen Hantaviren - vor allem das Puumala-Virus aus dem Süden und Westen, das von Rötelmäusen übertragen wird - verursachen meist eine nephrotrope Erkrankung mit Nierenbeteiligung, aber selten den schwer pulmonalen Verlauf, den Andes-Viren auslösen. Eine direkte Bedrohung durch Andes-Viren in Mitteleuropa ist epidemiologisch nicht zu erwarten, solange keine Reise-assoziierte Übertragungskette etabliert ist - was nach derzeitigem Wissensstand nicht der Fall ist.
Der RKI-Präsident hat am Wochenende in Interviews bestätigt, dass weder eine Pandemie-Gefahr noch eine erhöhte Wachsamkeit für die Allgemeinbevölkerung notwendig sei. Was bleibt, sind drei Tote, ein nicht trivialer logistischer Aufwand für die Rückführung der Passagiere und eine Studienlage, die die Pathogenität von Andes-Viren erneut sichtbar macht. Die in Deutschland heimischen Puumala-Hantaviren, die in Wellenjahren teils mehrere hundert gemeldete Fälle erreichen, sind davon kategorial getrennt.