Der Hamburger SV wollte im ersten Heimspiel nach dem Wiederaufstieg Fuß fassen und ging beim 0:5 gegen den FSV Mainz 05 baden. Vor 57.000 Zuschauern im Volksparkstadion traf Sheraldo Becker in der 19. Minute zur Führung, Phillipp Mwene erhöhte kurz vor der Pause. Nach dem Wechsel legten Phillip Tietz mit einem Doppelpack und Ransford Königsdörffer in der Nachspielzeit nach. Für Trainer Merlin Polzin ist es die zweite Niederlage im zweiten Bundesligaspiel - der HSV steht mit 0:7 Toren und null Punkten am Tabellenende.
Nach einem Ballverlust von Kapitän Nicolai Remberg im Mittelfeld marschierte Becker in der 19. Minute frei durch und schob unter Torhüter Daniel Heuer Fernandes hindurch ein. Vier Minuten vor der Pause zog Mwene aus zentraler Position ab, das Volksparkstadion verstummte. In der 48. Minute drückte Tietz nach einer Ecke aus dem Gewühl den dritten Treffer über die Linie, in der 83. Minute vollendete er einen Konter zum 0:4. Königsdörffer, der wie Tietz eine Vergangenheit in Hamburg hat, setzte in der Nachspielzeit den Schlusspunkt.
Es ist natürlich alles andere als das, was wir uns vorgestellt haben. Das ist ein Brett.
Polzin sprach in der Pressekonferenz von einem „maximal beschissenen Nachmittag“ - eine ungewohnt harte Wortwahl aus dem sonst besonnenen Coach. Auf der anderen Seite bilanzierte Mainz-Trainer Urs Fischer nüchtern, wie die Sportschau berichtet: „Haben nichts zugelassen.“ Doppelpacker Tietz ergänzte: „Heute waren wir alle überragend.“ Für die Rheinhessen war es nach dem torlosen Remis gegen Paderborn der erste Saisonsieg.
30-Millionen-Kader ohne Struktur
Der HSV hat im Sommer nach dem Aufstieg rund 30 Millionen Euro in neue Spieler investiert, darunter den portugiesischen Spielmacher Fabio Vieira, den Belgier Zakaria El Ouahdi und Angreifer Terem Moffi. Vieira saß zum Anpfiff auf der Bank, El Ouahdi und David Möller Wolfe rückten neu in die Startelf - Polzin hatte auf vier Positionen im Vergleich zur 0:2-Auftaktniederlage in Dortmund gewechselt. „Dem Spiel der Gastgeber war anzumerken, dass sie in der Formation noch nie zusammengespielt hatten“, schreibt die ZDF-Sportredaktion in ihrer Analyse. Auch Innenverteidiger Jordan Torunarigha stand mehrfach neben dem Ball, während Mainz-Mittelfeldspieler Nadiem Amiri im Zentrum schaltete und waltete.
Am kommenden Sonntag reist der HSV zu RB Leipzig, danach warten weitere Prüfungen im Volksparkstadion. Zwei Niederlagen mit dem Torverhältnis 0:7 sind nach zwei Spieltagen ein Alarmsignal für einen Klub, der als Aufsteiger sofort etabliert werden sollte. Die Fragen an Polzin und seine Personalentscheidungen dürften sich mit jeder weiteren Pleite verschärfen.