Die USA haben in der Nacht auf Donnerstag zum zweiten Mal binnen 24 Stunden Ziele im Iran angegriffen. US-Präsident Donald Trump erklärte am Rande des Nato-Gipfels in Ankara die im Juni in Versailles unterzeichnete Waffenruhe für gescheitert. Die iranischen Revolutionsgarden reagierten mit Drohnen- und Raketenangriffen auf US-Militärbasen in Kuwait und Bahrain.
Nach Angaben des US-Zentralkommandos Centcom trafen die beiden Angriffswellen rund 90 Ziele in fünf iranischen Provinzen. Darunter waren Luftabwehrstellungen, Küstenradare, Marschflugkörper- und Drohnendepots sowie mehr als 60 Schnellboote der Revolutionsgarden. Der Tagesspiegel berichtet unter Berufung auf Centcom-Mitteilungen von Schlägen gegen Bandar Abbas, Bushehr, Chabahar, Konarak und eine Eisenbahnbrücke in der Nordprovinz Golestan. Ziel sei es, Irans Fähigkeit zu schwächen, den Schiffsverkehr in der Straße von Hormus zu bedrohen.
Trump sagte in Ankara vor Journalisten, das Rahmenabkommen sei „praktisch gescheitert“. Auf die Frage, ob die Vereinbarung mit Teheran erledigt sei, antwortete er laut ZDFheute: „Für mich ist es vorbei. Ich will nicht mit ihnen verhandeln.“ Er drohte, im Wiederholungsfall zivile Infrastruktur, Kraftwerke und Meerwasserentsalzung anzugreifen und die Ölinsel Charg zu besetzen. Der Sprecher des iranischen Parlaments, Mohammed Bagher Ghalibaf, konterte: „Die Zeit der Einschüchterung und Erpressung ist vorbei. Wer angreift, wird selbst angegriffen.“
Für mich ist es vorbei. Ich will nicht mit ihnen verhandeln.
Wenige Stunden später schlug Teheran zurück. Die Revolutionsgarden griffen laut t-online eine Patriot-Batterie im Emirat Kuwait, ein Frühwarnsystem in Katar sowie Treibstofftanks in Bahrain mit einer „großen Zahl“ von Kamikaze-Drohnen an. In Bahrain wurde nach Angaben des Außenministeriums ein Wohnhaus beschädigt, Tote gab es dort nicht. Die iranische Regierung meldete für zwei Tage 14 Tote und 78 Verletzte auf eigenem Boden. Manama sprach von einer „gefährlichen Eskalation“ und wies Teheran die alleinige Verantwortung zu, wie t-online berichtet.
Berlin fürchtet um Fulda und Mosel
In Berlin wird der Verbleib der beiden deutschen Marineeinheiten in der Region diskutiert. Der Minenjäger Fulda und der Versorger Mosel warten weiter auf einen möglichen Einsatz zur Sicherung der Handelsschifffahrt in der Straße von Hormus. Die SPD-Außenpolitikerin Adis Ahmetović nannte die Lage im Tagesspiegel „extrem fragil“. Sie sagte, „alle Optionen - auch der Abzug von Mosel und Fulda - müssen auf dem Tisch liegen“. Die Grünen-Verteidigungspolitikerin Sara Nanni erklärte, sie könne sich nicht vorstellen, die Schiffe ohne Fortschritt länger vor Ort zu belassen.
Auch die Ölmärkte reagieren scharf. Der Brent-Kontrakt für den nächsten Monat legte nach Angaben von Euronews um mehr als sechs Prozent auf 78,79 Dollar je Barrel zu, die US-Sorte WTI stieg um 6,3 Prozent auf 74,88 Dollar. Shell-Aktien führten den europäischen Ölsektor mit einem Plus von fünf Prozent an, BP, Chevron und ExxonMobil legten mehr als drei Prozent zu. UN-Generalsekretär António Guterres warnte, ein offener Konflikt hätte „katastrophale Folgen“ für die Region und die Weltwirtschaft.