Das Bundesjustizministerium hat sich am Wochenende für einen Social-Media-Post entschuldigt, den viele Nutzerinnen und Nutzer als sexistisch empfanden. Auf dem Meta-Kurznachrichtendienst Threads hatte der offizielle Account des Hauses von Ministerin Stefanie Hubig (SPD) Anfang der Woche vor den Fallstricken von „Buy now, pay later“-Angeboten gewarnt - also dem Kauf auf Raten oder späteren Rechnung. Der Bogen dorthin: ein Verweis auf den TikTok-Trend „Girl Math“.
Der Post lautete: „Ich muss es jetzt nicht bezahlen, also kann ich es mir leisten. Sagt mir bitte, dass euer Threadmin nicht allein ist mit diesem Girl Math.“ Gemeint war der Selbstbetrug des Aufschiebens - genau der Denkfehler, den das Ministerium bei Ratenkäufen anprangern wollte. Nur eben mit einem Etikett, das seit rund zwei Jahren durchs Netz zieht und Frauen wahlweise als leichtsinnig oder rechenschwach karikiert.
Nicht immer gelingt ein Post und kann schiefgehen - so wie es hier der Fall war.
Kritik in den Kommentaren
Unter dem Beitrag sammelten sich schnell Kommentare, die dem Ressort Frauenfeindlichkeit vorwarfen. „Was ist das denn für ein frauenfeindlicher Kommentar?“, schrieb eine Nutzerin. Andere warfen dem Ministerium vor, es „diskriminiere mal eben alle Frauen“ mit der Anspielung. Der Vorwurf traf einen Nerv: „Girl Math“ ist einer jener Netz-Trends, die als Selbstironie beginnen und irgendwann in Fremdzuschreibung kippen.
Das Ministerium antwortete unter dem eigenen Post: „Nicht immer gelingt ein Post und kann schiefgehen - so wie es hier der Fall war.“ Man habe die Kritik zu Herzen genommen und entschuldige sich, hieß es weiter. Auffällig: Der ursprüngliche Post blieb online. Wer den Beitrag löscht, so die Logik des Accounts, löscht auch die Kommentare mit - und damit den Kontext der Debatte. Eine Stellungnahme von Ministerin Hubig persönlich gab es zunächst nicht.
Behördenkommunikation zwischen Trend und Ton
Der Fall reiht sich ein in eine Debatte, die deutsche Behörden seit dem Start ihrer TikTok- und Threads-Auftritte begleitet. Auf der Suche nach Reichweite bei jüngeren Zielgruppen greifen Kommunikationsabteilungen zu Netzsprache, deren Konnotation sich außerhalb der eigenen Bubble anders liest. Das Justizressort ist damit nicht allein - auch das Auswärtige Amt und das Bundesumweltministerium haben in den vergangenen Monaten für einzelne Meme-Posts Gegenwind bekommen. Diesmal aber landete es bei einem Ministerium, das an einem Gesetzentwurf gegen digitale Gewalt arbeitet und in seinen offiziellen Papieren Frauen ausdrücklich als besonders betroffene Gruppe nennt. Der Ton des Posts stand quer zur eigenen Agenda - und der Widerspruch war der eigentliche Auslöser.