Es ist die wohl spektakulärste Szene des österreichischen Fußballs seit Cordoba: In der sechsten Minute der Nachspielzeit köpft Saša Kalajdžić Österreich beim 3:3 gegen Algerien doch noch ins Sechzehntelfinale der Fußball-Weltmeisterschaft 2026. Riyad Mahrez hatte die Algerier in der 90.+3 mit dem vermeintlichen Siegtor zum 3:2 in Führung gebracht. Drei Minuten später trifft Kalajdžić mit seinem ersten Ballkontakt nach der Einwechslung - und schiebt Österreich als Gruppenzweiter weiter.
Vor 69.000 Zuschauern in Kansas City war es ein Spiel ohne Linie, aber mit sechs Toren. Marko Arnautović brachte das Team von Ralf Rangnick in der 30. Minute in Führung, Rafik Belghali glich kurz vor der Pause aus. Nach dem Wiederanpfiff stellte Marcel Sabitzer in der 55. Minute auf 2:1, ehe Mahrez für Algerien zweimal traf - der zweite Treffer in der Nachspielzeit schien das Aus zu besiegeln. Dann jedoch flankte Sabitzer auf den eingewechselten Michael Gregoritsch, der per Kopf auf Kalajdžić ablegte. Aus kurzer Distanz drückte der 28-Jährige den Ball über die Linie.
„Wieso sollte ich aufgeben?“
Kalajdžić, der nach zwei Kreuzbandrissen jahrelang um seine Karriere kämpfen musste und in der vergangenen Saison auf Leihbasis beim LASK spielte, wirkte in der Mixed Zone selbst überrascht. „Wieso sollte ich aufgeben? Es gibt keinen Grund, aufzugeben“, sagte er gegenüber der Sportschau. Auf die Frage, was er gedacht habe, als Mahrez das 3:2 schoss, antwortete er, er habe seinen Mitspielern noch zugerufen, sie würden sicher noch einmal eine Chance bekommen.
Ich habe so etwas noch nie erlebt - und die meisten anderen wahrscheinlich auch nicht.
Auch Trainer Ralf Rangnick fehlten zunächst die Worte. „Ich habe keine Worte dafür, was in den letzten 90 Sekunden dieser Partie passiert ist“, sagte Rangnick auf der Pressekonferenz. Im ZDF-Interview wurde er emotional: „Ich bin seit vier Jahren stolz auf dieses Team, ich bin so unglaublich happy.“ Michael Gregoritsch fasste die Sekunden zwischen Mahrez-Tor und Kalajdžić-Treffer trocken zusammen: „Wir waren halt raus für ein paar Minuten, und jetzt sind wir noch dabei.“ Algerien zog als einer der besten Gruppendritten ebenfalls in die K.-o.-Runde ein und trifft in Vancouver auf die Schweiz.
Am Donnerstag wartet Spanien
Für Rangnicks Team geht es bereits am Donnerstag um 21 Uhr MESZ weiter: Im SoFi Stadium in Los Angeles steht das Sechzehntelfinale gegen Europameister Spanien an. Es ist die erste österreichische Achtelfinal-Teilnahme bei einer WM seit 1982. Dass Deutschland am Vorabend in Foxborough an Paraguay scheiterte, dürfte den Druck auf das ÖFB-Team eher mindern - Erwartungshaltung gibt es vor Spanien-Spielen ohnehin nicht.