Die Lufthansa Group hat am 6. Mai ihre Quartalszahlen für das erste Quartal 2026 vorgelegt. Der Konzern meldete einen Rekord-Umsatz von 9,3 Milliarden Euro - die höchste je in einem ersten Quartal erreichte Marke - bei einem operativen Verlust von 612 Millionen Euro. Trotz des Verlusts bewertet die Geschäftsführung das Resultat als deutliche Verbesserung gegenüber dem Vorjahresquartal und bestätigt die Jahresprognose. Auf der Hauptversammlung am 12. Mai wiederholte Konzernchef Carsten Spohr diese Position.
Im saisonal schwächsten Quartal des Jahres ist ein Verlust für die europäische Luftfahrt strukturell üblich. Was das aktuelle Quartal jedoch geprägt hat, sind nach Angaben des Konzerns Belastungen durch den seit Februar laufenden Iran-Krieg: höhere Treibstoffkosten, verlängerte Umleitungen über zentralasiatische Routen, gestiegene Versicherungsprämien. Der Konzern beziffert die kumulierten Mehrbelastungen aus dem Konflikt für das Gesamtjahr 2026 auf rund 1,7 Milliarden Euro - eine Größenordnung, die in den ursprünglichen Jahresplanungen nicht enthalten war.
Trotz dieser Mehrbelastung hat der Konzern die Jahresprognose bekräftigt. Lufthansa erwartet für 2026 eine signifikante Verbesserung des bereinigten EBIT gegenüber dem Vorjahreswert von 1,96 Milliarden Euro. Die Begründung lautet zweifach: erstens ein stabiler Vorausbuchungsstand für die Sommermonate, zweitens die strukturelle Verbesserung bei den Tochterunternehmen, insbesondere bei Eurowings und SWISS, die in den letzten beiden Quartalen profitabel gewirtschaftet haben.
Lufthansa erwartet für 2026 eine signifikante Verbesserung des bereinigten EBIT gegenüber dem Vorjahreswert von 1,96 Milliarden Euro.
Auf der Passagierseite hat die Konzerngruppe 25,7 Millionen Reisende befördert, ein Plus von sieben Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Die Auslastung der Flotten lag im Konzerndurchschnitt bei 80,3 Prozent, leicht über dem Vorjahreswert. Besonders stark wuchsen die Nordatlantik-Verbindungen, die nach pandemiebedingten Einbrüchen die Vorkrisen-Werte hinter sich gelassen haben. Das Cargo-Geschäft trug rund 1,2 Milliarden Euro zum Konzernumsatz bei und blieb damit auf konstantem Niveau.
Aus Anlegerperspektive standen drei Punkte im Fokus der Quartalspräsentation. Erstens: die Dividende. Der Vorstand hat für das Geschäftsjahr 2025 eine Ausschüttung vorgeschlagen, die in der zweiten Maiwoche zur Auszahlung kommt. Zweitens: der Cashflow. Trotz operativen Verlusts erwirtschaftete die Gruppe im Quartal einen positiven freien Cashflow, getragen durch Vorausbuchungen für den Sommer. Drittens: die Ticketpreise. Lufthansa hat in der ersten Mai-Hälfte angedeutet, dass für Sommer-2026 mit moderaten Preiserhöhungen gegenüber Sommer-2025 zu rechnen sei - eine Folge der gestiegenen Kerosin- und Personalkosten.
Geopolitisch sind die Risiken nicht kalkulierbar. Ein Eskalations-Szenario im Iran-Konflikt könnte die Routenführung über die Golfregion komplett verändern, ein De-Eskalations-Szenario könnte die Sommer-Ergebnisse über die jetzige Prognose hinaus heben. Der Konzern hat in seinem Risikobericht beide Szenarien skizziert, ohne sich auf ein Wahrscheinlichkeitsgewicht festzulegen. Diese Zurückhaltung ist in der aktuellen Marktphase übliche Praxis.
Was die Lufthansa Group im ersten Quartal 2026 gezeigt hat, ist eine Mischung aus operativer Stabilisierung und geopolitischer Verletzlichkeit. Der Umsatzrekord bestätigt die Erholung im Passagiergeschäft, der Verlust spiegelt den Saisonzyklus, die Iran-Belastungen erinnern daran, wie schnell ein externer Schock die Kalkulation eines globalen Luftfahrtkonzerns verändern kann. Die nächste Bestätigung oder Korrektur des Jahresausblicks kommt mit den Q2-Zahlen Anfang August.