Marokko hat Kanada im WM-Achtelfinale mit 3:0 (0:0) besiegt und den Co-Gastgeber am Samstagabend in Houston aus dem Turnier geworfen. Azzedine Ounahi traf für die Nordafrikaner in der 50. und in der 82. Minute, Soufiane Rahimi legte in der Nachspielzeit (90.+8) das dritte Tor nach. Wie wir in unseren Vorberichten am Donnerstag angekündigt hatten, war Marokko der Favorit - der Weg dorthin aber verlief anders als erwartet.
Denn Kanada begann mutig und drängte in der ersten halben Stunde auf die Führung. Jonathan David hatte in der 5. Minute den ersten guten Abschluss aus spitzem Winkel, Tani Oluwaseyi verpasste in der 10. Minute die Führung, und Alistair Johnston köpfte in der 18. Minute nach einer Ecke knapp vorbei. Marokko brachte in Halbzeit eins nur einen Schuss zustande - und verlor früh seinen Sturmführer: Ismael Saibari, gerade erst für 50 Millionen Euro zum FC Bayern gewechselt, musste in der 22. Minute mit einer Oberschenkelverletzung raus. Der 25-Jährige verfolgte den weiteren Spielverlauf laut Eurosport im Trainingsanzug von der Bank aus, „sichtlich frustriert“.
Nach dem Wechsel entschied dann die Effizienz. Ein Freistoß von Kapitän Achraf Hakimi landete am Rande des Strafraums bei Ounahi, der Marseille-Profi zog aus 18 Metern flach ab - 1:0. Ab da agierte Marokko mit langen Ballstaffetten und Kontern, Kanada rückte auf, wurde ausgekontert. Ounahi vollendete in der 82. Minute den entscheidenden zweiten Konter, Rahimi setzte zum Ende gegen die aufgerückten Kanadier den Schlusspunkt.
Wir haben gelitten. Wenn du auf eine Mannschaft mit dieser Intensität triffst, weißt du, dass schwierige Momente kommen. Meine Spieler haben in der zweiten Halbzeit beeindruckenden Charakter gezeigt.
Marsch: „Wir waren die bessere Mannschaft“
Kanadas Trainer Jesse Marsch nahm die Niederlage sportlich, ließ aber keinen Zweifel an seiner Sicht des Spiels. „Wir waren die bessere Mannschaft, uns hat schlicht die Entschlossenheit gefehlt, die entscheidenden Aktionen umzusetzen“, zitiert die Sportschau den US-Amerikaner nach dem Abpfiff. 68.777 Zuschauer verfolgten das Spiel im NRG Stadium, darunter Eishockey-Ikone Wayne Gretzky als Unterstützer der kanadischen Auswahl.
Für Kanada endet damit eine Heim-WM, in die das Team unter Marsch mit großen Erwartungen gestartet war. Als erster der drei Co-Gastgeber ist die Ahornblatt-Auswahl ausgeschieden - noch vor dem Achtelfinale der USA am Sonntagabend in Seattle. Marokko dagegen zieht als erste afrikanische Mannschaft in zwei aufeinanderfolgenden Weltmeisterschaften ins Viertelfinale ein - nach dem Halbfinaleinzug in Katar 2022 der nächste Beleg für die Kontinuität, die Trainer Ouahbi seit seiner Amtsübernahme nach Regraguis Wechsel in den Verband installiert hat.
Donnerstag gegen Frankreich in Boston
Im Viertelfinale trifft Marokko am Donnerstag um 22 Uhr in Boston auf Frankreich, das sich am Samstag gegen Paraguay 1:0 durchgesetzt hatte. Es ist die Wiederauflage des WM-Halbfinales von 2022, das Frankreich damals mit 2:0 gewonnen hatte. Ob Saibari bis dahin einsatzbereit ist, muss der Verband nach den kommenden MRT-Ergebnissen klären - sicher ist: Für den Bayern-Neuzugang ist es die schlechteste denkbare Verletzung zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt.