Wenn Mexiko in der Nacht zum Mittwoch um 3:00 Uhr MESZ Ecuador im umgebauten Aztekenstadion zum Sechzehntelfinale empfängt, prallen zwei sehr unterschiedliche Vorrundenbilanzen aufeinander. Javier Aguirres Auswahl beendete die Gruppe A mit drei Siegen, sechs erzielten und keinem einzigen Gegentor in 270 Minuten - die stärkste Vorrunde der mexikanischen WM-Geschichte. Ecuador rutschte als bester Gruppendritter durch, schaltete im letzten Gruppenspiel aber den viermaligen Weltmeister Deutschland mit 2:1 aus.

Für Aguirre ist das Setup vertraut. Schon 2002 in Südkorea und Japan trafen Mexiko und Ecuador zum bisher einzigen Mal bei einer WM aufeinander, Mexiko gewann 2:1, an der Seitenlinie stand derselbe 67-jährige Trainer. Die mexikanische Sehnsucht nach einem K.o.-Sieg reicht allerdings noch weiter zurück: Seit dem Heim-WM-Viertelfinale 1986 hat die Tricolor keine einzige Endrunden-K.o.-Partie mehr gewonnen, eine Durststrecke von vierzig Jahren. Genau dort soll das nach Sponsor benannte Estadio Banorte, von Fans weiterhin Aztekenstadion gerufen, den Unterschied machen.

Aguirre macht aus dem Heimvorteil keinen Hehl. „Unsere Heimfans sind unser zwölfter Mann“, sagte der Trainer auf der Pressekonferenz am Montag, wie ESPN berichtete. Ecuador beschrieb er als anspruchsvollen Gegner: „Ich erwarte ein sehr intensives Ecuador, sehr mutig, genau wie ihr Trainer. Wir müssen ein nahezu perfektes Spiel spielen, um im Turnier zu bleiben.“ Sein Gegenüber Sebastián Beccacece konterte trocken auf der Pressekonferenz im Aztekenstadion: „Prognosen im Fußball existieren nicht. Was existiert, ist das, was auf dem Platz passiert.“

Defensive gegen Defensive - der Leverkusen-Faktor

Statistisch laufen beide Mannschaften auf ein engmaschiges Spiel zu. Mexiko stand in 270 Vorrundenminuten ohne Gegentor, Ecuador kassierte in den vergangenen 26 Länderspielen kein einziges Mal mehr als eine Tordifferenz von zwei Toren als Niederlage. Die Wettmärkte spiegeln das wider: Die Buchmacher setzen die Linie auf 1,5 Tore - ungewöhnlich tief für ein WM-K.o.-Spiel mit einem klaren Gruppensieger zuhause, wie das Portal neunzigplus.de in seiner Analyse betont. Mexikos Siegquote liegt nur knapp über 45 Prozent.

Beccacece kann auf der Achse mit Bundesliga-Profi Piero Hincapié in der Innenverteidigung und Moisés Caicedo im defensiven Mittelfeld planen, vorne setzt er laut der Vorschau von Sportsmole auf das Sturmduo Gonzalo Plata und Enner Valencia. Aguirres 4-1-4-1 baut auf Raúl Jiménez als Mittelstürmer und einen flexiblen Mittelfeldblock. Die Reise nach Mexiko-Stadt verlief für Ecuador holprig: Beccacece bestätigte auf der Pressekonferenz Anreiseverzögerungen, spielte sie aber herunter, wie Flashscore berichtete - alles im Rahmen eines „schönen Herausforderns“.

Prognosen im Fußball existieren nicht. Was existiert, ist das, was auf dem Platz passiert.
- Sebastián Beccacece, Trainer Ecuadors, auf der Pressekonferenz vor dem Sechzehntelfinale

Der Sieger trifft im Achtelfinale auf den Gewinner der Partie England gegen DR Kongo. In Deutschland überträgt MagentaTV das Spiel live, ein frei empfangbares Bild im Nachtprogramm gibt es nicht - der Anstoß um 3 Uhr MESZ markiert das Ende einer langen WM-Nacht, in der auch Frankreich gegen Schweden und Elfenbeinküste gegen Norwegen entschieden werden. Für Mexiko wäre der Aztekensieg historisch, für Ecuador wäre er die zweite große Sensation einer Vorrunde, die mit dem Aus der Deutschen begann.