Der Schauspieler Michael Mendl ist tot. Wie seine Agentin am Freitag der Deutschen Presse-Agentur bestätigte, starb der Charakterdarsteller im Alter von 82 Jahren. Er sei „friedlich eingeschlafen", teilte sie mit. In seinen letzten Lebensjahren hatte Mendl mehrfach gegen Krebserkrankungen gekämpft, wie nachtkritik.de berichtet.

Mendl gehörte zu den prägenden Charakterdarstellern des deutschsprachigen Films und Fernsehens der vergangenen drei Jahrzehnte. Für seine Verkörperung von Bundeskanzler Willy Brandt in der ARD-Serie „Im Schatten der Macht" erhielt er 2004 die Goldene Kamera - die Rolle, die er selbst als die seines Lebens bezeichnete. In Oliver Hirschbiegels Bunker-Drama „Der Untergang" spielte er im selben Jahr General Helmuth Weidling, den letzten Kommandanten der Berliner Verteidigungszone. In der Netflix-Serie „Dark" verkörperte er später einen ehemaligen Direktor des Kernkraftwerks im fiktiven Winden.

Öffentliche Anerkennung stellte sich für Mendl vergleichsweise spät ein. Über sein Verhältnis zum Publikum sagte er einmal, viele kennten das Gesicht, aber selten den Namen dahinter.

Ich bin kein strahlender Liebhaber, sondern ich bin ein Charakterheld. Ich spiele die schweren, auch die bösen Rollen.
- Michael Mendl, stimme.de

Geboren wurde Mendl am 20. April 1944 im westfälischen Lünen als uneheliches Kind eines katholischen Priesters, wie die Berliner Zeitung schreibt. Sein bürgerlicher Name lautete Michael Sandrock. Nach kurzen Studien in Wien und der Ausbildung an der Folkwangschule Essen begann Mendl klassisch am Theater. Er hatte feste Engagements am Hessischen Staatstheater Darmstadt, am Staatstheater Stuttgart und am Bayerischen Staatsschauspiel München, wo er von 1988 bis 1993 zum Ensemble gehörte. Bei den Salzburger Festspielen arbeitete er mehrfach mit Regisseur Peter Stein zusammen, unter anderem in „Julius Caesar" und „Der Kirschgarten".

Der Weg zum Film mit 49 Jahren

Erst 1993 wandte sich Mendl endgültig dem Film zu, mit 49 Jahren. In den folgenden drei Jahrzehnten stand er in mehr als 180 Film- und Fernsehproduktionen vor der Kamera. Neben „Der Untergang" waren dies unter anderem ein Zweiteiler über Papst Johannes Paul II., das Katastrophendrama „Die Gustloff" und Til Schweigers Kinokomödie „Barfuss". Auf die Bühne kehrte er 2013 noch einmal am Theater in der Josefstadt in Wien zurück, um in Thomas Bernhards „Vor dem Ruhestand" die Hauptrolle zu übernehmen.

Seine Selbstwahrnehmung blieb sachlich. Er sei kein Held für die leichten Rollen, sagte er 2019 der Heilbronner Stimme, sondern ein Charakterdarsteller für das Schwierige und das Böse. Ab 2007 kämpfte Mendl wiederholt gegen unterschiedliche Krebserkrankungen. Zuletzt lebte er in Berlin. Er hinterlässt drei erwachsene Kinder.