Armin Mueller-Stahl hat am Freitagabend in Leipzig die Goldene Henne für sein Lebenswerk entgegengenommen. Die 32. Ausgabe des von SuperIllu und MDR ausgerichteten Publikumspreises wurde ab 20.15 Uhr live im Ersten übertragen; erstmals moderierten Florian Silbereisen und Esther Sedlaczek gemeinsam. Wegen seines Alters wurde die Trophäe dem Schauspieler in den Saal der HALLE:EINS auf dem Leipziger Messegelände gebracht, das Publikum erhob sich zu stehenden Ovationen. Mueller-Stahl wird in wenigen Wochen 96 Jahre alt.
Die Laudatio hielt Iris Berben, die 2008 mit Mueller-Stahl in Heinrich Breloers „Buddenbrooks“-Verfilmung vor der Kamera stand. „Es gab Zeiten, da warst du für mich der große Kollege, der Charakterdarsteller, der Hollywood-Star - heute darf ich dich Armin nennen, einen Freund“, sagte Berben laut Berliner Kurier. Sie würdigte den Geehrten als „intelligenten, sensiblen, sorgfältigen Beobachter“ und als jemanden, der Schauspiel, Musik, Malerei und Schreiben mit derselben Ernsthaftigkeit betreibe.
Sie können sich wieder hinsetzen! So spannend bin ich nun auch wieder nicht.
Mueller-Stahl selbst reagierte trocken auf den Beifall und bat die Gäste, sich wieder zu setzen. In seiner kurzen Dankesrede blickte er auf ein Leben zwischen den Systemen: „Ich stehe jetzt kurz vor meinem 96. Geburtstag“, erklärte er vor der Verleihung gegenüber der SuperIllu, „ich bin in der glücklichen Lage, für mein Lebenswerk schon einige Preise bekommen zu haben. Nun gesellt sich die Goldene Henne in passender Farbe dazu.“ Der Satz „Noch bleibe ich hier!“ fasste sein Selbstverständnis zusammen, wie der Berliner Kurier berichtet - eine Ansage, die im Saal mit Applaus beantwortet wurde.
Der einzige in beiden deutschen Staaten und in Hollywood
Mueller-Stahl ist der bislang einzige deutsche Filmschauspieler, der in beiden deutschen Staaten und in der Hollywood-Filmindustrie große Anerkennung fand. Bekannt wurde er in der DDR mit Filmen wie „Der Dritte“ und „Jakob der Lügner“, 1980 verließ er die DDR und arbeitete zunächst am Berliner Schillertheater, ab Mitte der Achtziger dann international. Für seine Rolle in Scott Hicks' „Shine - Der Weg ins Licht“ wurde er 1997 für den Oscar als bester Nebendarsteller nominiert. Neben der Schauspielerei arbeitet er als Musiker, Maler und Schriftsteller; von Mai bis September 2026 zeigt das Museum Schloss Moyland unter dem Titel „Nacht und Tag auf der Erde“ eine Werkschau seiner bildkünstlerischen Arbeiten.
Neben Mueller-Stahl gingen weitere Ehrenpreise an Helene Fischer, die britische Popband Take That und die ARD/Sky-Serie „Babylon Berlin“. Die Publikumspreise entschieden Hape Kerkeling (Film und Fernsehen), Felix Lobrecht (Unterhaltung), Unheilig-Sänger Der Graf (Musik) sowie das Eistanz-Paar Minerva Hase und Nikita Volodin (Sport) für sich. Musikalisch trugen unter anderem Helene Fischer mit der TV-Premiere ihrer neuen Single „An meiner Seite“, Peter Maffay im Duett mit Johannes Oerding sowie Take That mit Michael Patrick Kelly zum Programm bei. Die Goldene Henne, benannt nach der 1991 verstorbenen DDR-Entertainerin Helga Hahnemann, gilt als größter Publikumspreis Ostdeutschlands.