Zwei Tage nach dem 3:4 nach Verlängerung im Sechzehntelfinale gegen Paraguay wird die Position von Julian Nagelsmann als Bundestrainer brüchiger. Sky Sport berichtete am Mittwoch, der Rückhalt für den 38-Jährigen im Präsidium des Deutschen Fußball-Bundes bröckle sichtbar, eine Trennung sei „ein ernsthaftes Szenario“. Eine formale Entscheidung soll nach Angaben des Senders bis Ende der Woche fallen.
DFB-Präsident Bernd Neuendorf hatte sich am Dienstag öffentlich noch nicht festgelegt. „Wir können und wollen nach einem derartigen Tiefschlag mit Blick auf die anstehenden Aufgaben nicht einfach zur Tagesordnung übergehen“, sagte er in einer Erklärung, aus der die Sportschau zitierte. Personalentscheidungen sollten nach der Rückkehr nach Deutschland in Ruhe getroffen werden. Im Präsidium klingt die Formel einen Tag später weniger nach Aufschub als nach vorbereitetem Abschied.
Wir können und wollen nach einem derartigen Tiefschlag nicht einfach zur Tagesordnung übergehen.
„Sie haben das bekommen, was sie verdient haben“
Auch die Kommentatoren geben dem Bundestrainer keine Ruhe. Auf Sport1 kritisierte Didi Hamann, seit dem Turnier Experte des irischen Senders RTÉ Sport, Nagelsmanns Amtsführung im Alltag. „Er schaut sich pro Monat vielleicht ein, zwei Bundesligaspiele an“, sagte der 52-Jährige. Das Team und der Trainer hätten „genau das bekommen, was sie verdient haben“ und sollten „nach Hause fahren“. Kritik übte Hamann zudem daran, dass Nagelsmann im Januar nicht zum Afrika-Cup gereist sei, wo er potenzielle WM-Gegner wie die Elfenbeinküste hätte beobachten können. Bastian Schweinsteiger sprach in der Sportschau von einem Verlust an „Robustheit, Identität und Kampf“.
Nagelsmann selbst hat einen freiwilligen Rücktritt am Montag ausgeschlossen. „Ich möchte weitermachen. Ich stehe bereit, wenn man das möchte. Und wenn man das nicht möchte, muss man das sagen“, sagte er im ZDF. Sein Vertrag läuft bis nach der Europameisterschaft 2028 in Großbritannien und Irland. Als potenziellen Nachfolger nennt Sky weiterhin Jürgen Klopp, seit Januar 2025 Head of Global Soccer bei Red Bull; der 58-Jährige würde nach Angaben des Senders bereitstehen, sollte der DFB auf ihn zukommen. Eine Sky-User-Umfrage vom Dienstagabend ergab derweil eine „krachende Mehrheit“ für ein Ende der Ära Nagelsmann.
Bis zum Wochenende dürfte klar sein, wer die deutsche Elf in die Nations League im September und die EM-Vorbereitung führt. Eine Trennung würde nach dem verbandsintern gültigen Vertrag Verhandlungen über eine Millionen-Abfindung nach sich ziehen. Öffentliche Rückendeckung für einen Neuanfang hätte das Präsidium ausweislich der Umfragen genug.