Julian Nagelsmann ist nicht mehr Bundestrainer. Wie wir am Freitagmorgen berichteten, hatte das DFB-Präsidium die Trennung „im Laufe des Tages“ avisiert; am Vormittag melden Sky, Eurosport und die Frankfurter Rundschau den Rücktritt des 38-Jährigen mit sofortiger Wirkung. Nagelsmann akzeptiert damit die vom Verband angebotene „goldene Brücke“ - inklusive einer Abfindung, die sport.de und Handelsblatt mit rund sieben Millionen Euro beziffern, also etwa einem Jahresgehalt aus dem bis zur EM 2028 laufenden Vertrag.

Der Schritt kommt nach einer Nacht der Bedenkzeit. Nach dem dreieinhalbstündigen Krisengipfel am Donnerstag im DFB-Campus in Frankfurt, an dem Präsident Bernd Neuendorf, Sportdirektor Rudi Völler, Geschäftsführer Andreas Rettig und Liga-Boss Hans-Joachim Watzke teilnahmen, hatte Nagelsmann den Termin ohne Zusage verlassen. „Julian Nagelsmann hat eine Nacht mit sich gerungen“, schreibt ran.de am Freitag, „jetzt geht der gescheiterte Bundestrainer doch über die goldene Brücke.“ Auslöser bleibt das historische WM-Aus am Dienstag in Foxborough gegen Paraguay im Elfmeterschießen (3:4).

Noch unmittelbar nach dem Aus hatte Nagelsmann einen Rücktritt kategorisch ausgeschlossen. „Ich stehe bereit, wenn man das möchte. Und wenn man das nicht möchte, muss man das sagen“, sagte er in Foxborough. Und weiter: „Ich bin keiner, der wegläuft. Das ist ausgeschlossen.“ Das Präsidium erklärte durch Neuendorf, man könne „nach einem solchen Rückschlag nicht einfach so weitermachen“. Der Druck aus der Runde um Watzke und Rettig auf einen freiwilligen Rückzug wuchs, weil ein voller Vertragsauskauf den Verband nach Sport1-Informationen zweistellige Millionen gekostet hätte.

Ich bin keiner, der wegläuft. Das ist ausgeschlossen.
- Julian Nagelsmann nach dem WM-Aus gegen Paraguay, gegenüber ARD

Klopp gilt als sichere Bank

Parallel zur Trennung laufen die Gespräche mit dem Wunschnachfolger. „So sicher wie das Amen in der Kirche“, zitiert die Süddeutsche Zeitung Verbandskreise über die Kandidatur von Jürgen Klopp. Der 59-Jährige ist seit Januar 2025 Global Head of Soccer bei Red Bull, sein Vertrag mit dem Getränkekonzern läuft bis 2029. Über eine mündlich vereinbarte Ausstiegsklausel könne er nach übereinstimmenden Berichten von Sky und RTL/ntv jederzeit gehen, wenn der DFB anfrage. Die Konditionen einer möglichen Ablöse an Red-Bull-Boss Oliver Mintzlaff sind noch nicht öffentlich.

Klopp selbst analysiert das laufende Turnier für MagentaTV und wich einer direkten Frage zum DFB dort mit einem Satz aus: „Es gibt dazu nichts zu sagen.“ Bastian Schweinsteiger nannte ihn im selben Studio zuletzt zusammen mit Rudi Völler das „Dream-Team“ für einen Neustart und ergänzte: „Ich glaube, dass es passieren wird.“ Ob Völler in seiner Funktion bleibt, ist Teil der Verhandlungen.

Der Zeitplan ist eng. Anfang September steht in der Nations League das Heimspiel gegen die Niederlande an, dort soll die neue Sportliche Leitung erstmals antreten. Für den DFB heißt das: rund zwei Monate, um Klopp zu präsentieren und einen Kader zu formieren, aus dem einige Führungsspieler nach Paraguay öffentlich ihre Zukunft in Frage gestellt haben. Die offizielle Verkündung des Rücktritts wird nach Angaben der Sportschau nach der Präsidiumssitzung am Freitag um 11 Uhr erwartet.