Am Mittwochmorgen um 9.33 Uhr setzte die Lufthansa-Maschine mit der deutschen Nationalmannschaft am Flughafen München auf - zwei Tage nach dem WM-Aus gegen Paraguay und knapp 16 Stunden nach der ersten öffentlichen Wortmeldung von DFB-Präsident Bernd Neuendorf. Julian Nagelsmann ist zurück in Deutschland und formal weiter Bundestrainer. Über seine Zukunft hat der Verband am Dienstagabend allerdings bewusst nicht entschieden. „Wir können und wollen nach einem derartigen Tiefschlag mit Blick auf die anstehenden Aufgaben nicht einfach zur Tagesordnung übergehen“, erklärte Neuendorf in einer schriftlichen Stellungnahme, die der DFB am späten Nachmittag verbreitete.

Neuendorf hatte sich noch in der Nacht zum Dienstag mit Nagelsmann, DFB-Direktor Rudi Völler und Sportdirektor Andreas Rettig zusammengesetzt. In der Runde sei man sich einig gewesen, dass „die Leistung bei der WM nicht unseren Ansprüchen entsprochen“ habe, so der DFB-Präsident. In den kommenden Tagen werde man „gemeinsam und in Ruhe die Gründe erörtern“, warum die Mannschaft ihr Potenzial nicht abgerufen habe. Eine formelle Entscheidung soll nach Informationen von Sky bis Ende der Woche fallen. Einen konkreten Termin nannte Neuendorf nicht.

Wir können und wollen nach einem derartigen Tiefschlag nicht einfach zur Tagesordnung übergehen.
- Bernd Neuendorf, DFB-Präsident

Parallel zur DFB-Kommunikation berichtete Sky am Dienstagabend, Jürgen Klopp würde die Nachfolge übernehmen, sollte der Verband auf ihn zukommen. Der frühere Liverpool-Trainer, seit Januar 2025 Head of Global Soccer bei Red Bull, hatte am Rande der Partie in Foxborough zwar gedämpft, wie wir am Dienstag berichteten: „Es wäre skurril, wenn sie jetzt zwei Minuten nach dem Aus mit mir Vertragsgespräche führen würden“, sagte er zu Sport1. Der Sky-Bericht setzt aber ein anderes Signal - dass Klopps Name in der Frankfurter DFB-Zentrale zumindest nicht abgewehrt wird, gilt seit Dienstag als offenes Geheimnis.

Vertrag bis 2028, erster Termin im September

Nagelsmanns Vertrag läuft bis nach der Europameisterschaft 2028 in Großbritannien und Irland. Im Fall einer Trennung müsste der Verband eine Auflösung verhandeln - was Neuendorf, so heißt es aus dem Präsidium, mit Blick auf die Lehren aus 2018 und 2022 vermeiden will. Beide Male hatte der DFB den Bundestrainer nach einem Turnier-Aus zunächst gehalten und die Trennung dann teuer nachgeholt. Der nächste sportliche Termin nach dem Sommer wäre die Nations-League-Runde im September. Nagelsmann selbst hatte in der Nacht zum Dienstag in Foxborough erklärt: „Ich bin auf jeden Fall keiner, der wegläuft.“ Auf ein DFB-Statement in dieser Woche kann er nun nur noch warten.