Am Samstag um 17 Uhr Ortszeit (23 Uhr MESZ) trifft Norwegen im WM-Viertelfinale im Hard Rock Stadium von Miami Gardens auf England. Für die Skandinavier ist es das erste Viertelfinale eines großen Herren-Turniers überhaupt - weder bei einer Weltmeisterschaft noch bei einer Europameisterschaft war die Elf zuvor unter die letzten Acht gekommen. „Vielleicht schreiben wir Geschichte in Norwegen. Jeder soll das genießen. Das ist einfach ein irrer Tag, einer der verrücktesten in der norwegischen Geschichte“, sagte Erling Haaland nach dem 2:1 gegen Brasilien am Sonntag.
Der Manchester-City-Angreifer war beim Achtelfinal-Coup mit zwei späten Kopfballtoren in der 79. und 90. Minute der Matchwinner. Es waren seine Treffer sechs und sieben in diesem Turnier - Haaland führt die WM-Torschützenliste damit gemeinsam mit Kylian Mbappé und Lionel Messi an. In seinen jüngsten 14 Länderspielen für Norwegen kommt er auf 27 Tore. „Die ganz großen Spieler haben ein Bedürfnis, sich zu zeigen, sich in Szene zu setzen. Erling ist das gleichgültig“, sagte Nationaltrainer Ståle Solbakken am Dienstag laut Complete Sports. „Er weiß, was er am besten kann, was er der Mannschaft geben kann - so einen Fußballer wie ihn hat es noch nie gegeben.“
So einen Fußballer wie Haaland hat es noch nie gegeben.
Sorgen bereitet Solbakken eine leichte Grippewelle im Aufgebot. „Es gibt immer wieder vereinzelt Husten und Keuchen“, sagte der 58-Jährige laut 90min am Montag. Betroffen waren zuletzt Angreifer Jørgen Strand Larsen und Innenverteidiger Marcus Holmgren Pedersen; Haaland selbst zeigte keine Symptome, sein Einsatz gilt jedoch nach 120 Minuten Verlängerung im Brasilien-Spiel als konditionell offen. Der englische Bundestrainer Thomas Tuchel wechselte im Achtelfinale gegen Mexiko drei Positionen: Anthony Gordon und Bukayo Saka ersetzten Marcus Rashford und Noni Madueke, Jarell Quansah kam für Djed Spence in die Innenverteidigung. Nach der Roten Karte gegen Quansah nach VAR-Prüfung in der 54. Minute fehlt der 22-Jährige gegen Norwegen gesperrt.
Bellingham und Kane fehlt an England ein Ausrufezeichen
England kam in Mexiko-Stadt zu einem 3:2 gegen den Gastgeber. Jude Bellingham erzielte einen Doppelpack innerhalb von zwei Minuten und ist mit vier WM-Toren der treffsicherste Mittelfeldspieler des Turniers. „Ich war noch nie stolzer auf eine Gruppe von Jungs, eine Mannschaft, eine Nation“, sagte Bellingham nach dem Spiel. „Das war eine Leistung eines Landes.“ Harry Kane traf per Foulelfmeter zum entscheidenden 3:2 und steht bei sechs Turniertoren. Jordan Henderson fällt nach einer Verletzung im Mexiko-Spiel für den Rest des Turniers aus - die Startelf im zentralen Mittelfeld bilden damit voraussichtlich Declan Rice und Adam Wharton neben Bellingham.
Der direkte Vergleich der Nachbarn spricht klar für England: In 26 Länderspielen seit 1937 gewannen die Three Lions 20 Partien; nur einmal setzte sich Norwegen durch. Bei der WM standen sich beide erst einmal gegenüber, 1938 in Marseille (2:1 für England). Die Buchmacher sehen die Elf von Tuchel deshalb als klaren Favoriten. Solbakken hatte Norwegens B-Elf in der Gruppenphase gegen Frankreich noch beim 1:4 auf die Ersatzbank gesetzt; im K.-o.-Modus laufen nun stets die Stammkräfte auf.
Miami: Kulisse und Sicherheitskonzept
Anpfiff ist mit Blick auf die Sommerhitze in Südflorida bewusst auf den frühen Abend gelegt. Das Hard Rock Stadium fasst rund 65.000 Zuschauer; die FIFA erwartet eine gemischte Kulisse aus englischen Reisefans, skandinavischen Touristen und der starken lateinamerikanischen Community Süd-Miamis. Angesichts der Debatte um den Fall Balogun steht die WM ohnehin unter besonderer Beobachtung. Der Sieger trifft im Halbfinale am Mittwoch in New Jersey auf den Gewinner der Partie Portugal - Spanien, die am Donnerstagabend in Dallas ausgetragen wird. ARD und MagentaTV übertragen live.