Am Samstag um 23 Uhr deutscher Zeit trifft Paraguay im Achtelfinale der Fußball-Weltmeisterschaft auf Frankreich. Die Partie im Lincoln Financial Field in Philadelphia bringt zwei Mannschaften zusammen, die auf sehr unterschiedlichen Wegen in die Runde der letzten 16 vorgestoßen sind: Paraguay über den größten Coup dieser K.-o.-Phase, das 4:3 im Elfmeterschießen gegen Deutschland in Foxborough. Frankreich über eine Machtdemonstration, das 3:0 gegen Schweden im MetLife Stadium.

Bei den Franzosen schoss Kylian Mbappé seinen dritten Doppelpack in diesem Turnier. Mit seinen Toren in der 45. und der 74. Minute stehen für den Kapitän nun 18 WM-Treffer zu Buche, wie die FIFA in ihrer Turnierstatistik ausweist. Entscheidender für das kommende Wochenende: Es waren seine WM-Tore neun und zehn in Ausscheidungsspielen - ein neuer Rekord vor Leonidas und Ronaldo, die je acht K.-o.-Treffer erzielt hatten.

Neben Mbappé stand Michael Olise im Zentrum der französischen Show. Der Bayern-Profi legte laut kicker-Spielbericht das 1:0 sowie den weiteren Treffer auf; seine Assistbilanz im Turnier steht damit bei sechs, mehr als jeder andere Spieler bislang. Trainer Didier Deschamps sprach nach der Partie von einer Vorstellung, die „phasenweise eine große Show“ gewesen sei, das Handelsblatt titelte über eine „Frankreich-Show gegen Schweden“.

Sie haben gezeigt, dass sie eine seriöse Mannschaft sind, sie haben Deutschland geschlagen.
- Kylian Mbappé über den nächsten Gegner Paraguay

Auf der anderen Seite steht ein Paraguay, das den unerwartetsten Auftritt der bisherigen Turnierrunde hinter sich hat. Trainer Gustavo Alfaro, 63, gebürtiger Argentinier und in Asunción längst „der Professor“ gerufen, hat die Albirroja mit Riegelfußball zur ersten WM-Teilnahme seit 2010 geführt und im Sechzehntelfinale 120 Minuten lang die deutsche Angriffsflut verteidigt. Torwart Roberto Junior Gill wurde im Elfmeterschießen zum Helden von Foxborough.

Alfaros Riegel und die Wertschätzungsfrage

Alfaros Grundordnung, wie sie die ZDFheute-Analyse vor dem Deutschland-Spiel beschrieb, ist ein 4-4-2, das je nach Spielverlauf in ein 5-3-2 kippen kann. In Ballbesitz verzichten die Paraguayer weitgehend auf lange Zirkulation und suchen den vertikalen Ball. In der Innenverteidigung sortiert Kapitän Omar Alderete, ehemaliger Hertha-Profi und aktuell beim AFC Sunderland unter Vertrag. Im Mittelfeld läuft Diego Gómez von Brighton auf, im Angriff das Duo Julio Enciso (Straßburg) und Antonio Sanabria (Cremonese). Miguel Almirón steht nach abgesessener Sperre wieder zur Verfügung.

Statt Turnier-Euphorie sprach Alfaro nach dem Deutschland-Coup allerdings über etwas anderes: fehlende Wertschätzung in der Heimat. „Paraguay ist vielleicht der einzige Ort, an dem nicht gefeiert wurde“, sagte er dem Kicker mit Blick auf die Gruppenphase, in der sein Team lediglich als Dritter hinter den USA und Australien in die K.-o.-Runde einzog. Statt Jubel sei aus Asunción zu hören gewesen, sein Team habe es „nicht auf Platz zwei geschafft“, weil der Trainer „ein Feigling“ sei. Vor der Partie in Foxborough hatte Alfaro auf der FIFA-Pressekonferenz zusammengefasst: „Wir mussten uns immer aus der Not heraus aufbauen, und diese Situation ist keine Ausnahme.“

Klare Favoritenrolle, aber Vorsicht bei den Franzosen

Für die Buchmacher ist der Fall klar: Frankreich reist als deutlicher Favorit nach Philadelphia. Deschamps hat die Gruppenphase souverän überstanden, mit Mbappé, Olise, Barcola, Dembélé und Rabiot stehen dem Trainer offensive Alternativen zur Verfügung, die Paraguay in dieser Breite nicht bieten kann. Für die Albirroja wäre der Einzug ins Viertelfinale die Wiederholung ihrer bislang besten WM-Leistung, damals 2010 in Südafrika unter Gerardo Martino. Anpfiff im Lincoln Financial Field ist Samstag um 23 Uhr deutscher Zeit.