Tadej Pogacar hat die sechste Etappe der Tour de France 2026 mit einem 42 Kilometer langen Alleingang gewonnen und das Gelbe Trikot zurückerobert. Am Donnerstag setzte sich der Slowene am Col du Tourmalet vom Feld ab und fuhr zwischen dem Dach der Pyrenäen und dem Bergziel in Gavarnie-Gedre einsam nach vorne. Nach 186 Kilometern ab Pau hatte der 27-Jährige des UAE Team Emirates 2:38 Minuten Vorsprung auf Jonas Vingegaard, wie die Sportschau berichtete.
Pogacars Angriff war weniger Attacke als Machtdemonstration. Am Tourmalet, dem berühmtesten Anstieg der Pyrenäen, verbesserte er den Streckenrekord aus dem Jahr 2023 um über zwei Minuten. Die 2115 Höhenmeter lange Rampe legte er in 43:12 Minuten zurück, notiert Eurosport - der bisherige Bestwert lag bei 45:32. Vingegaard, der die Etappe 1 in Barcelona gewonnen und dort noch das Maillot Jaune übernommen hatte, verlor jeden Kontakt und kam mit sichtbar leidendem Gesicht ins Ziel. Isaac del Toro rundete als Dritter den Doppelsieg der UAE-Mannschaft ab, Remco Evenepoel folgte auf Rang vier.
Es ist ein unglaublicher Sieg, einer der schönsten meiner Karriere. Das steht fest.
Die Etappe hatte einen dramatischen Nebenschauplatz. Der bisherige Gelbträger Torstein Traeen aus Norwegen stürzte in der Abfahrt vom Tourmalet in einer Kurve schwer und musste mit dem Verdacht auf eine Gehirnerschütterung und mehrere Rippenbrüche ins Krankenhaus. Am Abend erklärte der Fahrer des Bahrain-Victorious-Teams seinen Ausstieg aus der Tour. Traeen hatte das Gelbe Trikot erst am Vortag von Vingegaard übernommen, für den Sprintsieger Olav Kooij auf der fünften Etappe in Pau war der Zeitrückstand des Norwegers seither ohnehin nicht mehr aufzuholen.
Lipowitz bleibt im Kreis der Podestkandidaten
Der beste deutsche Fahrer bleibt Florian Lipowitz. Der 25-Jährige aus dem Team Red Bull-Bora-hansgrohe kam am Tourmalet als Sechster ins Ziel und hält sich damit im engsten Kreis der Podestkandidaten. In der Gesamtwertung liegt Lipowitz nun auf Rang sechs mit 2:42 Minuten Rückstand - ein Wert, der ihn hinter Pogacar, Vingegaard, del Toro, Evenepoel und Paul Seixas positioniert. „Diese Etappe war brutal, ich habe alles gegeben, was drin war“, sagte Lipowitz gegenüber der ARD-Sportschau. Nils Politt beendete das Rennen im Hinterfeld.
Vingegaard steht nach der ersten Bergankunft dieser Tour vor der schwersten Aufgabe seiner Karriere. Der Däne, der 2022 und 2023 gegen Pogacar gewann und zuletzt den Giro d'Italia für sich entschied, ging mit dem Anspruch auf einen dritten Tour-Sieg in die Frankreichrundfahrt. Nach Etappe sechs sind es 2:42 Minuten Rückstand - ein Polster, das Pogacar in den kommenden drei Wochen nur bei einem Ausfall oder einer massiven Formkrise wieder abgeben dürfte. Am Freitag folgt die siebte Etappe, ein flaches Sprintfinale von Hagetmau nach Bordeaux über 175 Kilometer. Für die Klassementfahrer eine Ruhepause vor dem Zeitfahren am Wochenende und der zweiten Pyrenäenwoche.