Cristiano Ronaldo hat am Montagabend in Dallas seinen letzten Auftritt bei einer Weltmeisterschaft bestritten. Nach der 0:1-Niederlage Portugals gegen Spanien im Achtelfinale bestätigte der 41-Jährige unmittelbar nach dem Abpfiff, dass er nicht mehr für ein weiteres WM-Turnier zur Verfügung stehen werde. „Es war tatsächlich meine letzte Weltmeisterschaft, ja“, sagte Ronaldo laut Sport1 in der Mixed Zone. Wenig später relativierte er den Satz mit den Worten „höchstwahrscheinlich, ja“, ließ eine mögliche Rückkehr für die Nationalmannschaft in anderer Rolle aber offen.

Das entscheidende Tor für Spanien fiel in der ersten Minute der Nachspielzeit durch Mikel Merino, den Torschützen aus dem EM-Halbfinale 2024, der in Dallas erneut als Einwechselspieler traf. Portugal war ab der 56. Minute geschwächt, als Nuno Mendes muskulär vom Feld musste und sein Ersatz Nelson Semedo laut Eurosport wiederholt gegen Spaniens Flügelspieler Lamine Yamal verlor. Ronaldo selbst wurde rund um die 60. Minute verletzungsbedingt ausgewechselt und kam laut derselben Analyse auf lediglich 16 Ballkontakte und zwei Torschussversuche. Roberto Martínez, Portugals Trainer, sprach von einem ausgeglichenen Spiel: „Wir sind stolz auf unsere Leistung. Es war ein enges Spiel und wir hätten zumindest die Verlängerung verdient, aber so ist Fußball“, zitiert ihn 20 Minuten.

Ich gehe mit einem reinen Gewissen.
- Cristiano Ronaldo, Pressekonferenz nach dem Spiel, zitiert vom Kicker

Nach dem Schlusspfiff blieb Ronaldo minutenlang auf dem Rasen, verharrte mit Tränen in den Augen und ließ das Stadion ein letztes Mal auf sich wirken, ehe er mit gesenktem Kopf in den Katakomben verschwand, wie die Sportschau berichtet. Es war sein 27. WM-Spiel. In sechs Turnieren - 2006, 2010, 2014, 2018, 2022 und 2026 - erzielte er elf Tore, drei davon in diesem Sommer bei Siegen gegen Usbekistan und einem Elfmeter gegen Kroatien. Der WM-Pokal bleibt die einzige große Lücke in einem Palmarès mit fünf Ballon-d'Or-Trophäen, dem EM-Titel 2016 und zwei Nations-League-Siegen. Sein bestes Abschneiden bei einer Weltmeisterschaft war der vierte Platz in Deutschland 2006, damals noch als 21-Jähriger.

In der Bilanz seiner Nationalmannschaftskarriere stehen 233 Länderspiele und 146 Tore - beides Weltrekorde. Sein Debüt gab Ronaldo am 19. August 2003 gegen Kasachstan. Seine Schwester Katia Aveiro hatte bereits vor dem Achtelfinale bei SportTV Portugal einen Hinweis auf das nahende Karriereende gegeben: „Genießt es, solange es noch geht. Es ist bald vorbei.“ Bei der WM 2030, die Portugal, Spanien und Marokko gemeinsam ausrichten werden, wäre Ronaldo 45 Jahre alt. Eine Teilnahme gilt in der portugiesischen Presse als ausgeschlossen. Die ZDFheute zitierte Ronaldo mit der trotzigen Bilanz, mit ihm habe Portugal drei Titel gewonnen, „vor Cristiano“ seien es null gewesen.

Klare Absage an das WM-Kapitel, offene Frage im Nationalteam

Ob Ronaldo künftig weiter für Portugal auflaufen wird, ließ er nach dem Spiel bewusst offen. „Ich möchte einen kühlen Kopf bewahren, ruhig bleiben und dann die beste Entscheidung treffen“, sagte er laut ZDFheute, nachdem er sich mit Menschen beraten habe, „die mich lieben“. Auf Vereinsebene hat er sich längst festgelegt: Sein Vertrag bei Al-Nassr wurde bereits 2025 bis Juni 2027 verlängert, wie damals unter anderem die Sportschau meldete. Ronaldo bleibt dem Fußball damit erhalten, nur nicht mehr der Weltmeisterschaft.

Für Spanien ist es der erste Viertelfinaleinzug seit dem WM-Titel 2010. Trainer Luis de la Fuente hob nach dem Spiel die Wechselstärke seines Teams hervor; Merinos später Kopfball trug die Handschrift des Kaders von der Bank. Für Portugal folgt eine Zäsur, die über eine Trainerdebatte hinausgeht: Ohne Ronaldo als Fixpunkt der vergangenen zwei Jahrzehnte muss der Verband einen personellen und mentalen Umbau organisieren. Bei der Nations League im Herbst wird sich zeigen, wie schnell diese neue Seleção entsteht - und ob Ronaldo dabei noch eine Rolle spielt.