Jannik Sinner hat sein Wimbledon-Ticket fürs Viertelfinale gelöst und dabei nichts anbrennen lassen. Der italienische Weltranglisten-Erste bezwang am Sonntagabend auf dem Centre Court den japanischen Qualifikanten Shintaro Mochizuki mit 6:3, 7:6 (7:0), 6:3. Es ist Sinners fünfter Wimbledon-Viertelfinaleinzug in Folge. Am Dienstag wartet auf ihn der Warsteiner Jan-Lennard Struff, der zuvor gegen den Polen Hubert Hurkacz nach zwei Satzrückständen die Wende geschafft hatte.

Sinner ließ Mochizuki, aktuell die Nummer 151 der Welt, über weite Strecken keine Chance. Nach 20:15 Uhr Ortszeit begann die Partie unter geschlossenem Dach, das die Turnier-Organisatoren wegen zunehmender Feuchtigkeit im zweiten Satz herabließen. Der Titelverteidiger schlug in knapp zweieinhalb Stunden 15 Asse, wehrte die drei Rebreak-Chancen seines Gegners im dritten Satz ab und dominierte den entscheidenden Tiebreak des zweiten Durchgangs mit 7:0. „Im Tiebreak zeigte er Nerven und machte zu viele Fehler gegen den erfahrenen Jannik Sinner", fasste der Liveticker von tennisnet die Wende zusammen.

Sinners Respekt für Struff

Nach dem letzten Aufschlag sprach Sinner im Platzinterview über seinen deutschen Viertelfinalgegner - und ließ keinen Zweifel daran, dass er die Partie am Dienstag nicht als Formsache begreift. Der 23-Jährige verwies auf den Aufschlag des Warsteiners und auf eine gemeinsame Vergangenheit auf Rasen.

Ein sehr aggressiver Spieler, ein großer, großer Aufschläger. Ich habe großen Respekt vor ihm. Wir standen uns ein paar Mal gegenüber. Zuletzt auf Rasen in Halle, das war ein enges Match.
- Jannik Sinner, im Platzinterview nach dem Sieg gegen Mochizuki

Das enge Match, auf das Sinner anspielt, ist knapp zwei Jahre her: Im Viertelfinale der Terra Wortmann Open in Halle setzte sich der Italiener am 21. Juni 2024 nach 6:2, 6:7 (1:7), 7:6 (7:3) durch. In der ATP-Bilanz führt Sinner klar mit 3:0 Siegen und 6:1 Sätzen gegen Struff, aber die letzte Begegnung auf Rasen musste im dritten Satz-Tiebreak entschieden werden. In der Runde davor hatte Struff auf demselben Court noch Daniil Medwedew in einem Fünfsatz-Krimi ausgeschaltet - eine Ansage, die sich in diesem Wimbledon wiederholt hat.

Was am Dienstag zählt

Die Ansetzung für das Viertelfinale gibt Wimbledon in der Regel am Vortag bekannt. Nach dem Achtelfinal-Sonntag ist die obere Männer-Hälfte komplett: Sinner gegen Struff und Novak Djokovic gegen den Kanadier Félix Auger-Aliassime. Bei einem Sieg würde Sinner erstmals gegen Djokovic in einem Grand-Slam-Halbfinale stehen. Für Struff geht es um mehr als eine weitere Runde: Der 36-Jährige, in dieser Woche zum ältesten Debütanten in einem Grand-Slam-Viertelfinale der Open Era geworden, hätte gegen den Titelverteidiger seinen ersten Halbfinal-Einzug bei einem Major überhaupt in Reichweite. Sinner selbst wollte am späten Sonntagabend die eigene Marschroute nicht verkomplizieren. Erst schlafen, dann an Dienstag denken, hatte der Italiener gesagt, ehe er den Centre Court verließ.