Am Freitag um 21 Uhr MESZ pfeift das zweite Viertelfinale der WM 2026 an. Im SoFi Stadium in Inglewood, dem 70.000 Zuschauer fassenden Neubau der Los Angeles Rams und Chargers, trifft Europameister Spanien auf Belgien - für Luis de la Fuentes Elf das erste WM-Viertelfinale seit dem Titelgewinn 2010, für Rudi Garcias Belgier die zweite K.-o.-Runde in seiner ersten WM-Amtszeit. ZDF überträgt ab 20:15 Uhr live, Kommentar Oliver Schmidt.

Spanien geht als Favorit ins Duell, und die Zahlen stützen die Rolle. Vier von fünf Turnierspielen gewonnen, neun eigene Tore, zwei Gegentore - alle drei Gruppenspiele ohne Gegentreffer, Torwart Unai Simón steht bei 609 WM-Minuten ohne Gegentor, einem Turnierrekord. Im Achtelfinale gegen Portugal wurde es dennoch eng: Erst der eingewechselte Mikel Merino brachte La Roja in Dallas nach einem Steckpass von Ferran Torres in der 91. Minute mit 1:0 in Führung und beendete die WM-Karriere Cristiano Ronaldos. Herausragend war ein 18-Jähriger: Lamine Yamal, der spanische Jungstar, der als Motor der Offensive gefeiert wird.

Belgien reist mit einem Ausrufezeichen an. Nach zähem Auftakt in der Gruppe G - 1:1 gegen Ägypten, 0:0 gegen Iran, 5:1 gegen Neuseeland - und einem 3:2 im Achtelfinale gegen Senegal folgte in Seattle ein deutliches 4:1 gegen Gastgeber USA. Charles De Ketelaere traf doppelt (9., 33.), Hans Vanaken und Romelu Lukaku legten spät nach. Der Preis war hoch: Amadou Onana musste früh mit dem Verdacht auf einen Kreuzbandriss vom Feld, monatelange Pause droht. Und noch etwas fiel auf - Kevin De Bruyne sass 90 Minuten auf der Bank.

Wir haben Kevin nicht gebraucht. Wir haben Tore geschossen.
- Rudi Garcia, Belgiens Trainer, nach dem 4:1 gegen die USA

Garcias Personalentscheidung war die Nachricht des Achtelfinales. „Wir haben Kevin nicht gebraucht. Wir haben Tore geschossen“, sagte der 62-jährige Franzose auf der Pressekonferenz, wie der Tagesspiegel berichtete. Der Belgien-Trainer hatte De Bruyne im Frühjahr 2025 als Nachfolger von Domenico Tedesco übernommen; im Achtelfinale gegen Senegal war er nach einem 0:2-Rückstand schon Thema der Absetzung gewesen. Jetzt lässt er den 34-Jährigen zunächst draussen und muss vor dem Viertelfinale erklären, ob das eine Momentaufnahme war oder ein Signal für die Aufstellung in Los Angeles.

Wo das Duell entschieden wird

De la Fuentes System hat einen klaren Rahmen: Ballbesitz über Pedri, Angriffskombinationen um Yamal auf der rechten Seite, Mikel Oyarzabal als zentraler Torgarant - vier von neun Turniertreffern gehen auf sein Konto. Der Trainer bezeichnet Oyarzabal öffentlich als „unverzichtbar“. Belgien setzt umgekehrt auf schnelle Übergänge, De Ketelaere als beweglichen Verbindungsspieler und Lukaku als Zielspieler. Ohne den defensiv abräumenden Onana wird das Duell im zentralen Mittelfeld gegen Pedri und Merino zur Belastungsprobe für Youri Tielemans und Nicolas Raskin.

In der historischen Bilanz führt Spanien: 23 Aufeinandertreffen, zwölf spanische Siege, sechs Unentschieden, fünf belgische Erfolge, 46:22 Tore für La Roja. Der letzte WM-Auftritt Belgiens im Viertelfinale liegt acht Jahre zurück, 2018 in Russland. Für Spanien geht es um mehr als die nächste Runde: Ein Erfolg im SoFi Stadium wäre der Beleg, dass der Europameistertitel von 2024 kein Zufall war, sondern der Auftakt zu einer Ära. Garcia hat nach dem USA-Erfolg selbst formuliert, worauf er zielt: „Wir haben das Viertelfinale erreicht, das ist gut. Aber jetzt wollen wir auch ins Halbfinale.“ Ob er dafür einen 34-jährigen Weltklassespieler von der Bank holt, wird sich vor dem Anpfiff in Inglewood zeigen.