Jan-Lennard Struff steht als erster deutscher Herr seit Alexander Zverev im Wimbledon-Viertelfinale - und schreibt dabei eine Zeile in die Rekordbücher, die vor ihm noch keiner besetzt hatte. Der 36-Jährige aus Warstein bezwang am Sonntag den polnischen Ex-Halbfinalisten Hubert Hurkacz auf Court 2 mit 3:6, 6:7 (5:7), 7:6 (7:2), 7:5 - im fünften Satz gab Hurkacz beim Stand von 4:2 wegen anhaltender Rückenschmerzen auf.

Es ist Struffs erstes Grand-Slam-Viertelfinale. Mit 36 Jahren und 78 Tagen ist er nach Angaben der ATP der älteste Spieler in der Open Era seit 1968, dem dieser Schritt zum ersten Mal gelingt; die vorherige Bestmarke hielt der Franzose Fabrice Santoro. Es war Struffs 47. Grand-Slam-Auftritt und sein zwölfter Anlauf in Wimbledon.

Drei Stunden und 40 Minuten Nervenspiel

Nach den ersten beiden Sätzen sah es nach einem frühen Aus aus. Hurkacz, in Wimbledon 2021 bereits im Halbfinale, dominierte mit seinem Aufschlag; Struff verlor den ersten Satz und ließ im Tiebreak des zweiten die entscheidenden Bälle liegen. Erst nach der Wende im dritten Satz-Tiebreak kippte die Partie. Wie die Sportschau berichtet, ließ sich Hurkacz nach dem dritten Satz behandeln, verließ beim Stand von 5:5 im vierten Durchgang den Platz zur medizinischen Auszeit und humpelte im entscheidenden Satz sichtlich. „Ich bin sehr glücklich. Das Ende war ziemlich hart. Es ist unglaublich. Man sollte niemals aufgeben", sagte Struff gegenüber dem ZDF.

Nur das Beste für Hubi. Er ist einer der nettesten Spieler auf der Tour.
- Jan-Lennard Struff, nach Hurkaczs Aufgabe

Über den unbefriedigenden Abschluss der Partie ließ Struff, wie t-online berichtete, keinen Zweifel. „Es so zu beenden ist ein Jammer", sagte er auf dem Court. Der ganze Turnierverlauf sei für ihn „einfach verrückt". Auf dem Weg ins Achtelfinale hatte er unter anderem den früheren Weltranglisten-Ersten Daniil Medwedew ausgeschaltet.

Am Dienstag wartet Sinner

Im Viertelfinale trifft Struff am Dienstag auf Titelverteidiger Jannik Sinner. Der Italiener und Weltranglisten-Erste hatte sich zeitgleich auf dem Centre Court mit 6:3, 7:6 (7:0), 6:3 gegen den japanischen Qualifikanten Shintaro Mochizuki durchgesetzt. Struff, vor dem Turnier auf Rang 74 der Weltrangliste geführt, wird sich durch den Viertelfinaleinzug in Richtung Top 60 verbessern und hat sich laut Sky Sport ein Preisgeld von rund 350.000 Euro gesichert.

Die Ausgangslage bleibt trotzdem klar. Sinner hat 2025 in Wimbledon triumphiert, ist als Nummer eins gesetzt und geht als Favorit ins Duell. Für Struff ist bereits erreicht, was Alexander Zverev bislang in Wimbledon nie gelang: das Viertelfinale. Zverev, der am selben Sonntag ins Achtelfinale einzog, spielt am Montag gegen den Tschechen Jiri Lehecka - und könnte am Ende der Woche im Halbfinale auf einen Landsmann treffen.