Der SV Elversberg hat am Samstagabend im Borussia-Park den zweiten Bundesliga-Sieg in seiner Vereinsgeschichte eingefahren. Der Aufsteiger aus dem Saarland lag beim 4:3 in Mönchengladbach zeitweise mit 1:3 zurück, drehte die Partie im zweiten Durchgang jedoch komplett - und schlug in der Nachspielzeit erneut zu. Maurice Krattenmacher erzielte in der 66. und in der zweiten Minute der Nachspielzeit die Treffer zum 3:2 und 4:3, dazwischen verwandelte Felix Keidel in der 80. Minute einen direkten Freistoß zum Ausgleich.

Bereits nach elf Minuten hatte Hugo Bolin die Gastgeber per Kopf in Führung gebracht, David Mokwa glich in der 29. Minute nach einem Fehler von Kōki Itakura aus. Kurz vor der Pause traf Bolin nach einer strittigen Einwurfentscheidung erneut, Joe Scally erhöhte in der 56. Minute vom Elfmeterpunkt auf 3:1. Zu diesem Zeitpunkt saß Cheftrainer Vincent Wagner bereits nicht mehr auf der Elversberger Bank: Schiedsrichter Martin Petersen hatte ihn wegen wiederholter Reklamation und eines Wortgefechts in der Halbzeitpause mit Gelb-Rot vom Innenraum verbannt.

Nach dem Schlusspfiff erschien Wagner sichtlich stolz vor die Kameras. „Ich bin stolz auf die Mannschaft“, sagte der Trainer der Sportschau, seine Elf glaube nur „noch nicht genug an sich“. Zur eigenen Roten Karte äußerte er sich zurückhaltend: „Ich wollte einfach ein ruhiges Gespräch mit dem Schiedsrichter führen, auch in der Halbzeit.“ Doppeltorschütze Krattenmacher fasste den Auftritt seiner Elf lakonisch zusammen: „Wir wissen, dass wir sehr ekelig sein können.“ Auf Gladbacher Seite reagierte der neue Chefcoach Eugen Polanski dagegen einsilbig. „Es gibt viele positive Dinge, über die man sprechen könnte, aber das möchte ich nicht“, zitierte ihn die Sportschau. „Ich möchte, dass wir über die sprechen, die wir ändern müssen, um Bundesligaspiele zu gewinnen.“ Die Borussia steht nach zwei Spieltagen ohne Punkt da.

Wir wissen, dass wir sehr ekelig sein können.
- Maurice Krattenmacher, Doppeltorschütze, in der Sportschau

12.800-Einwohner-Ort schockt die Bundesliga

Für den 1907 gegründeten Verein aus Spiesen-Elversberg ist es der geglückte Fortsetzungssprung: Am ersten Spieltag hatte die Elf von Wagner bereits Bayer Leverkusen mit 3:2 bezwungen, nun folgte der zweite Auswärtserfolg in Serie. Damit steht der Aufsteiger nach zwei Runden auf sechs Punkten und rangiert vor Bayern München, dessen erste Saisonspiele noch anstehen. Mit rund 12.800 Einwohnern ist die saarländische Gemeinde der bislang kleinste Bundesliga-Standort in der Geschichte der Liga - kleiner noch als die SpVgg Unterhaching, die bis zu diesem Sommer den Rekord hielt. Zugleich schickt das Saarland nach 33 Jahren erstmals wieder eine Mannschaft ins Fußball-Oberhaus.

Wagners Konzept folgt dabei einer klaren Strategie: junge Leihspieler aus etablierten Bundesliga-Kadern, viel Verantwortung, viel Spielzeit. Krattenmacher, in der vergangenen Rückrunde vom FC Bayern ausgeliehen und im Sommer fest verpflichtet, ist das prominenteste Beispiel, dazu kommen zurückgekehrte Aufstiegsakteure wie Kapitän Lukas Petkov. Die Reihe seiner Doppeltorschützen wird lang - in Mönchengladbach reichte Petkov ein Assist zum 3:2, den Rest erledigte die Bank. Am kommenden Samstag empfängt Elversberg zum Auftakt-Heimspiel den FC Bayern München in der URSAPHARM-Arena. Anpfiff ist um 17:30 Uhr.