Jonas Vingegaard hat den Grand Départ der 113. Tour de France gewonnen und sich das Gelbe Trikot gesichert. Team Visma - Lease a Bike stoppte die Uhr im Mannschaftszeitfahren am Samstagabend über 19,6 Kilometer durch Barcelona bei 21:47,87 Minuten und verwies Netcompany INEOS um 7,33 Sekunden auf Platz zwei. UAE Team Emirates - XRG mit Vorjahressieger Tadej Pogačar landete 11,28 Sekunden zurück auf Rang drei.
Für Vingegaard ist es das erste Gelbe Trikot seit seinem letzten Tour-Sieg 2023. Der Däne, der im Frühjahr auch den Giro d'Italia gewonnen hat, blieb nach dem Zieleinlauf am Fuß des Montjuïc betont nüchtern. „Ein perfekter Start für uns“, sagte Vingegaard vor Journalisten, „aber es ist nur die erste Etappe. Wir haben einen kleinen Vorsprung, aber der Weg ist noch lang.“ Filippo Ganna übernahm dank des starken INEOS-Ritts als Zweiter der Gesamtwertung acht Sekunden Rückstand.
Für Red Bull - Bora - hansgrohe wurde der erhoffte Auftaktsieg zur Enttäuschung. Das Team um die Doppel-Kapitäne Remco Evenepoel und Florian Lipowitz kam als Fünfter ins Ziel, 19 Sekunden hinter Visma. Evenepoel liegt damit als bester Red-Bull-Fahrer 19 Sekunden hinter Vingegaard, Lipowitz als Achter der Gesamtwertung 35 Sekunden zurück - und 16 Sekunden hinter seinem eigenen Teamkollegen. Der 25-jährige Deutsche verlor auf der ersten Steigung den Kontakt zu Evenepoel.
Am Ende fahren wir drei Wochen Rennen. Da kommt es nicht auf ein paar Sekunden an.
Lipowitz gab sich pragmatisch. „Ich denke, wir können ganz zufrieden sein. Remco hat einen super Job gemacht. Meine Beine waren nicht ganz so gut“, sagte er nach der Etappe. Der Rückstand sei früh entstanden: „Am Anfang habe ich mich ganz gut gefühlt. Remco zu folgen, ist einfach super hart. Als wir das erste Mal über den Anstieg gefahren sind, hatte ich schon viel Laktat in den Beinen.“ Sportlicher Leiter Patxi Vila verteidigte die Taktik gegenüber der Sportschau: „Wenn du die Etappe gewinnen willst, musst du am Ende einen Fahrer zurücklassen. Wir wollten sie zusammen zum letzten Anstieg bringen.“ An der Doppelspitze soll sich nichts ändern; Vila peilt weiter zwei Red-Bull-Fahrer auf dem Podium in Paris an.
Pogačar sortiert sich weiter hinten ein
Tadej Pogačar liegt als Dritter der Gesamtwertung zwölf Sekunden hinter Vingegaard - eine Ausgangsposition, die der Slowene im Vorjahr an gleicher Stelle des Tour-Kalenders komfortabel umgekehrt hatte. Anders als bei früheren Grand Départs verzichtete UAE-Chef Mauro Gianetti diesmal auf öffentliche Kritik am Pogačar-Team-Setup und verwies auf die Bergetappen ab Woche zwei.
Am Sonntag geht es weiter mit der zweiten Etappe von Tarragona zurück nach Barcelona: 168,5 Kilometer entlang der Küste, drei Runden über den Montjuïc mit Rampen von über zehn Prozent. Als Favorit gilt Mathieu van der Poel, der ebenfalls sekundenschnell aus dem Team-Zeitfahren gekommen ist. Für Vingegaard geht es zunächst darum, das Gelbe Trikot gegen die Puncher zu verteidigen.