Zum 250. Jahrestag der amerikanischen Unabhängigkeit hat US-Präsident Donald Trump die Feierlichkeiten in eine landesweite Wahlkampfbühne verwandelt. Am Freitagabend sprach Trump am Mount Rushmore in South Dakota, wo er vor einer angeblich wiedererstarkten „kommunistischen Bedrohung" warnte und die politische Opposition mit Verweis auf Karl Marx als staatsfeindlich brandmarkte. Am Samstagabend Ortszeit soll auf der National Mall in Washington die zentrale Rede folgen - flankiert von Militärkapellen, Kampfjet-Überflügen und laut Ankündigung des Weißen Hauses „850.000 Feuerwerkseffekten" von zehn Abschussplätzen.
Am Mount Rushmore stellte Trump seine Gegner und Zuwanderer in eine Reihe. „Man kann Kommunist sein oder Patriot", sagte er laut Tagesspiegel und sprach von einem „unbestreitbaren Versuch", den amerikanischen Charakter zu verändern und die Bevölkerung von der eigenen Geschichte zu entfremden. An Neuankömmlinge gerichtet, deren „Ideen den amerikanischen Werten widersprächen", erklärte Trump: „Sie müssen nicht hier geboren sein, aber Sie müssen lieben, was wir aufgebaut haben." Politische Gegner nannte er „Radikale und Extremisten", die Nachrichtenagentur AP wertete die Rede als klaren Bruch mit der Tradition versöhnlicher Feiertagsansprachen von Vorgängern wie Ronald Reagan oder Gerald Ford.
Man kann Kommunist sein oder Patriot. Beides zugleich geht nicht.
Der große Auftritt am 4. Juli ist auf 21:50 Uhr Ortszeit terminiert, bei angekündigten 107 Grad Fahrenheit, also rund 42 Grad Celsius. „Es wird ungefähr 107 Grad heiß, und ich werde da rauf und eine wirklich lange Rede halten, nur um zu zeigen, dass ich alles kann", sagte Trump vorab. Der Präsident bezeichnete die Veranstaltung als „spektakulärste aller Trump-Kundgebungen". Der Ronald-Reagan-Flughafen in Washington schließt ab 12 Uhr, um Hunderte Flugzeuge für den größten Airshow-Überflug in der Geschichte der Vereinigten Staaten passieren zu lassen. Auf einer 16-tägigen „Great American State Fair" nahe dem Washington Monument sind Vertretungen aller 50 Bundesstaaten und weiterer US-Territorien vertreten.
Widerspruch aus der Opposition, Absagen in der Hauptstadt
Die Demokraten werfen dem Präsidenten vor, die Jubiläumsfeiern für den Kongresswahlkampf im November zu instrumentalisieren. Kritiker verweisen laut Tagesspiegel auf schlechte Umfragewerte, die aggressive Migrationspolitik der Regierung, den Ausbau präsidialer Vollmachten und Vorwürfe der Selbstbereicherung der Familie. Auch die Kommunalverwaltung in Washington ging auf Distanz: Die traditionelle Independence-Day-Parade der Stadt war bereits im Vorfeld abgesagt worden, das offizielle Programm konzentriert sich fast vollständig auf die Trump-Inszenierung.
Das Portal Politico und die Berliner Zeitung berichten, die Kommission „America250" habe die Feierlichkeiten früh entlang der Botschaften des Präsidenten ausgerichtet. Zugleich zeichnen sich Ermüdungserscheinungen ab: Die begleitende Länderschau am Washington Monument sei nach mehreren Berichten schlecht besucht, einige Bundesstaaten hätten ihre Stände nicht besetzt. Für Berlin und Brüssel richtet sich der Blick auf die außenpolitischen Passagen. Am Rande der Feiern erklärte Trump, Teheran sei nach dem Tod Ali Chameneis verhandlungsbereit: „Sie können es kaum erwarten, einen Deal zu machen." Ob das mehr ist als eine Kundgebungspointe, dürfte sich in den nächsten Wochen zeigen.