Am Donnerstag und Freitag dieser Woche trifft Donald Trump in Peking mit Xi Jinping zusammen. Es ist der erste Staatsbesuch eines US-Präsidenten in der Volksrepublik seit fast einem Jahrzehnt - und das erste persönliche Treffen Trumps mit Xi seit dem Ende seiner ersten Amtszeit. Die Erwartung beider Seiten ist offiziell zurückgenommen: ein „Stabilitätsgipfel“ statt eines Durchbruchs, weniger ein Abschlussdokument als eine Reihe inkrementeller Vereinbarungen.

Im Zentrum steht der Handel. Trump und Xi werden voraussichtlich einen bilateralen „Board of Trade“-Mechanismus ankündigen, der Sektoren identifizieren soll, in denen Handelsausweitung möglich ist, ohne dass nationale Sicherheits- oder kritische Lieferketten-Interessen berührt werden. Erwartet werden zudem konkrete Käufe Chinas in den USA - US-Agrarprodukte und voraussichtlich Boeing-Flugzeuge - sowie eine Verlängerung des im Oktober vereinbarten Zollwaffenstillstands. Diese Maßnahmen sind keine Strukturveränderung, sondern eine bewährte Choreografie: erst Annäherung, dann punktuelle Bestätigung, dann erneute Verhandlungen.

Iran und die kriegerische Lage im Nahen Osten überlagern die Gespräche. China ist Hauptkäufer iranischen Öls, und der seit dem Frühjahr laufende militärische Konflikt zwischen Israel und Iran hat die globalen Energiepreise und Lieferketten unter Druck gesetzt. Washington wird voraussichtlich auf eine Reduzierung der chinesischen Öl-Importe drängen, während Peking ein eigenes Interesse formuliert, die Stabilität in der Region zu wahren - nicht zuletzt, weil chinesische Infrastrukturprojekte in der Golfregion unter dem aktuellen Konflikt leiden.

Im Hintergrund liegt das stetig schwelende Thema Taiwan. Peking hat in den vergangenen Monaten in nicht-öffentlichen Verhandlungen darauf gedrungen, dass Washington seine Sprachregelung gegen taiwanesische Unabhängigkeit verschärft - eine Forderung, die in Washington politisch hochsensibel ist und in Tokio sowie Taipeh mit Sorge beobachtet wird. Ein offizielles Statement zu Taiwan auf diesem Gipfel ist unwahrscheinlich; sub-textuell wird die Frage aber präsent sein.

Für europäische Märkte und insbesondere für deutsche Exporteure ist das Treffen indirekt relevant. Die deutsche Industrie - vor allem Automobil und Maschinenbau - hat bedeutende China-Exposure, und jede Stabilisierung der US-China-Beziehung reduziert das Risiko von Sekundärsanktionen, die deutsche Unternehmen in der Vergangenheit getroffen haben. Der DAX hatte in den vergangenen Tagen entsprechend defensiv reagiert, mit einer Branchenrotation weg von China-exponierten Werten.

Was Beobachter realistisch erwarten, fasst die Washingtoner Denkfabrik CSIS so zusammen: Der Gipfel werde „die wichtigste bilaterale Beziehung der Welt verwalten“, nicht neu definieren. Trump sucht Erfolge, die er innenpolitisch verwerten kann; Xi sucht Stabilität, die er außenpolitisch verkaufen kann. Beide Seiten haben Anreize, mit Bildern und Vorab-Ankündigungen ein positives Narrativ zu erzeugen - und beide haben Grenzen, jenseits derer sie nicht gehen werden.

Was am Freitag Mittag stehen wird, ist also wahrscheinlich keine neue Weltordnung. Es ist eine kontrollierte Verzögerung der bestehenden Eskalationsspirale - und für die globalen Märkte, die zwischen Mai-Schwäche und Sommer-Hoffnung pendeln, möglicherweise genau das, was sie brauchen.