Vor dem Anpfiff der Erstrundenpartie des VfL Osnabrück gegen den FC Bayern München am Dienstagabend baute die Ostkurve am Stadion an der Bremer Brücke eine Achterbahn auf. Über die volle Breite des Blocks lief eine Holzkonstruktion, auf der ein Wagen mit vier lila-weiß gekleideten Puppen auf Schienen fuhr. Videowände zeigten die passende Kulisse, dazu spielten die Stadionlautsprecher Achterbahn-Sound. Das Motto: „VfL Osnabrück geht ab wie Achterbahn!“ Die Sportschau bilanzierte, die 16.000 Zuschauer seien schon vor dem Anstoß außer sich gewesen.
Die Choreografie funktionierte auch als Selbstporträt eines Vereins, der zwischen den Ligen pendelt. Der VfL ist gerade nach fünf Jahren dritter Liga in die zweite Bundesliga zurückgekehrt. Auf den Bannern rings um die Achterbahn zeigten die Ultras die eigenen Höhen und Tiefen: Stadioneröffnung 1933, den Pokalsieg gegen die Bayern 1978, die Pokalsensationen 2009 und 2010, den Besuch der Steuerfahndung 2011, den Spielabbruch in Leipzig 2015. Die WELT und der Schweizer Tages-Anzeiger druckten die Bilder groß, das Format OneFootball verbreitete das Video international.
Das ist keine Choreo mehr - das ist ein Kunstwerk.
Zwei Stunden vor dem Anpfiff drohte Regen, die Sorge um die Konstruktion kursierte auf Fan-Kanälen. Sie hielt. ARD-Kommentatorin Christina Graf sprach im Livebild von einer „tollen Choreografie“, der Vereins-Account des VfL kommentierte die Aufbau-Videos nüchtern mit „Weltklasse“. Auf X posteten Bayern-Anhänger Sätze wie „Junge, hat die Kurve von Osnabrück da 'ne Achterbahn für die Choreo aufgebaut?“ und „Hut ab, Osnabrück, für diese Wahnsinns-Choreo und das geile Tor!“.
Reichweite bis Jakarta
Die Reichweite überraschte selbst die Osnabrücker. Der Account FootballAwaydays kam nach Angaben des lokalen Portals hasepost.de auf über eine Million Aufrufe, das Konto The Casual Ultra ebenfalls. Der Fußball-Influencer gionextlevel stellte die Frage „Best tifo in the history of football?“. Auch die indonesischen Accounts Spieltag Indonesia und FaktaBola teilten die Bilder, obwohl das Spiel dort um drei Uhr morgens Ortszeit lief. Ihr Kommentar: „Tifo bukan sembarang tifo“ - kein gewöhnliches Tifo.
Sportlich blieb der Abend am Ende beim erwarteten 1:4 aus Osnabrücker Sicht, nachdem Robin Meißner den Zweitligisten mit einem Volley aus rund 30 Metern in Führung geschossen hatte. Doch das Bild aus der Ostkurve, festgehalten auf dutzenden Handykameras, dürfte das Spiel überdauern. Für einen Verein, der sich selbst als Achterbahn beschreibt, ist das keine schlechte Bilanz.