Das erste Halbfinale des Eurovision Song Contest 2026 ist Geschichte - und die Debatte dreht sich nicht nur um die zehn Länder, die das Finale am 16. Mai erreicht haben. Im Mittelpunkt stehen seit dem Dienstagabend in der Wiener Stadthalle auch die beiden Gastgeber: Victoria Swarovski und Michael Ostrowski. Das Moderations-Duo führte durch einen der meistgesehenen Abende des europäischen Fernsehens - und erntete am nächsten Morgen sowohl Lob als auch heftige Kritik.

Victoria Swarovski wurde 1993 in Innsbruck geboren. Sie ist Teil der gleichnamigen Kristalldynastie - eines der bekanntesten österreichischen Familienunternehmen. Ihre Karriere begann nicht im Unternehmensmanagement, sondern auf der Bühne: 2010 erschien ihr Debut „One in a Million“ beim Sony-Music-Label. 2016 gewann sie die neunte Staffel von „Let’s Dance“ bei RTL. Zwei Jahre später rückte sie in die Moderationsposition nach, als Sylvie Meis das Format verließ. Seither moderiert sie die Tanzshow an der Seite von Daniel Hartwich.

Den Auftrag, den Song Contest 2026 in Wien zu moderieren, bezeichnet Swarovski als ihre bislang größte berufliche Station. Im Vorfeld sagte sie gegenüber Bunte: „Der Druck ist schon enorm, ich habe hohe Ansprüche an mich selbst und möchte es natürlich wirklich gut machen.“ Die logistische Belastung in der ESC-Woche ist erheblich: Swarovski pendelt zwischen Wien - wo die Proben und Shows stattfinden - und Köln, wo sie parallel „Let’s Dance“ moderiert. Auf der Bühne tritt sie auf Englisch und Französisch auf. „Man muss abliefern“, sagte sie dem Blick. „Der Name allein bringt dich nicht weiter.“

Geteilte Meinungen nach dem ersten Halbfinale

Die Reaktionen auf das erste Halbfinale waren von Beginn an gespalten. Im Netz hagelte es laut oe24.at noch während der Übertragung Kommentare, die Swarovskis Englisch als „schlechter als gedacht“ kritisierten. Einige Nutzer bemängelten, das Duo wirke „wie Roboter“ - ohne Situationskomik und Spontaneität. Der Tagesanzeiger befand, Swarovski und Ostrowski hätten ohne Schalk und Komik moderiert. Heute.at fasste die Spannbreite zusammen: von „Fremdscham“ bis „Grenzgenial“.

Doch es gab auch das andere Lager. Einem Zuschauer gelang auf heute.at der knappste Sinneswandel des Abends: „Swarovski könnte das ganz locker auch allein moderieren. Hätte nicht gedacht, dass ich das sagen würde.“ Mehrere Nutzer zeigten sich überrascht, wie souverän die Moderatorin die technisch anspruchsvolle Sendung beherrschte - live, dreisprachig, vor Millionen.

Es wird immer jemanden geben, der jammert.
- Victoria Swarovski, oe24.at nach dem ersten ESC-Halbfinale

Auf die Kritik angesprochen, gab sich Swarovski gelassen. „Ich habe das gar nicht gesehen“, sagte sie laut oe24.at - und schob nach: „Es wird immer jemanden geben, der jammert.“ Ihr Co-Moderator Michael Ostrowski, österreichischer Schauspieler und Komiker, wählte eine andere Strategie: „Ich blende das aus“, erklärte er zum Umgang mit den Kommentaren im Netz.

Noch zwei Auftritte bis zum Finale

Zwei Auftritte stehen noch aus: Am Donnerstagabend folgt das zweite Halbfinale, ehe am Samstag, dem 16. Mai, das Finale über die Bühne geht. Dann ist das Duo erneut gefragt - vor rund 170 Millionen Zuschauern weltweit, wenn der Sieger des 70. Eurovision Song Contest gekürt wird. Swarovski hat sich einen persönlichen Umgang mit dem Druck erarbeitet. Sie denke vor Auftritten an ihre verstorbene Großmutter, erzählte sie: „Sie hat mir kurz vor ihrem Tod gesagt: Wenn ich nicht mehr da bin, dann schau einmal nach oben. Genau das tue ich jedes Mal.“

Das erste Halbfinale hat gezeigt: Das Moderations-Duo hält dem Druck der größten Live-Show Europas stand, auch wenn die Tonlage mancher Zuschauer schärfer ausfiel als erwartet. Ob Swarovski und Ostrowski die Kritiker beim Finale am Samstag endgültig überzeugen, wird sich live aus der Wiener Stadthalle zeigen.