Berti Vogts hat sich in die DFB-Nachfolgedebatte eingeschaltet und einen konkreten Personalvorschlag gemacht. In seiner Kolumne für die Rheinische Post am Montag sprach sich der Weltmeister-Trainer von 1990 für eine Doppelspitze aus Jürgen Klopp als Bundestrainer und Matthias Sammer als Sportdirektor aus. Klopp gilt seit Freitag als heißester Kandidat für die Nachfolge von Julian Nagelsmann, der nach dem WM-Aus gegen Paraguay im Achtelfinale zurückgetreten war.

Vogts nennt Klopp eine „Top-Lösung“ und zählt die Argumente auf, die für den 59-Jährigen sprächen: „Er hat den Ehrgeiz, etwas zu bewegen, er hat das Fachwissen, um die Mannschaft nach vorn zu bringen, er hat das Feuer, um zu begeistern, er ist ein guter Kommunikator“, schreibt Vogts. Und weiter: „Er hat ein internationales Flair durch seine erfolgreiche Arbeit in Liverpool, das lässt ihn einen anderen Blick auf den deutschen Fußball haben.“ Die Passage zielt direkt auf die Kritik, die Vogts schon eine Woche zuvor formuliert hatte.

Denn parallel zum Personalvorschlag hält Vogts an seiner strukturellen Diagnose fest. „Wir dürfen nicht mehr in einem Elfenbeinturm sitzen und sagen: Wir sind der DFB, so wie wir es machen, ist es richtig“, hatte er in einer früheren Kolumne der Rheinischen Post geschrieben. Der Bundestrainer müsse künftig „nach England, Frankreich, Südamerika“ reisen, um zu sehen, wo die Konkurrenz die Deutschen abgehängt habe. Klopps Auslandsstation an der Anfield Road passt für Vogts in dieses Anforderungsprofil.

Sammer kennt das Spiel und er hat den nötigen Ehrgeiz, der mir zuletzt in der Nationalmannschaft gefehlt hat.
- Berti Vogts, Kolumne Rheinische Post

Der zweite Name in dem Vorschlag ist die eigentliche Neuigkeit. Matthias Sammer, Europameister-Kapitän von 1996 und Ballon-d'Or-Sieger desselben Jahres, war zwischen 2006 und 2012 DFB-Sportdirektor. Er sei die „perfekte Ergänzung zu Klopp“, schreibt Vogts. Sammer besitze die kompromisslose Mentalität, die dem DFB-Team beim frühen Aus in Foxborough gegen Paraguay sichtbar gefehlt habe. In der Verbandshierarchie würde der 58-Jährige damit die Rolle einnehmen, die aktuell Rudi Völler ausfüllt.

Klopp schweigt, das Präsidium tagt

Der Kandidat selbst hat sich öffentlich noch nicht zum DFB positioniert. Klopp analysiert das laufende Turnier für MagentaTV; eine direkte Frage nach dem Bundestrainer-Amt beantwortete er dort mit dem Satz „Es gibt dazu nichts zu sagen.“ Bastian Schweinsteiger hatte ihn im selben Studio als Wunschkandidaten benannt. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung gilt Klopps Zusage inzwischen „so sicher wie das Amen in der Kirche“; das Präsidium hatte am Freitag im DFB-Campus in Frankfurt die Trennung von Nagelsmann formalisiert.

Sammer arbeitet derzeit als externer Berater für Borussia Dortmund. Ein Wechsel zum DFB wäre keine reine Rückkehr, sondern ein Bruch mit der Vereinsbindung, die er seit 2018 pflegt. Von seiner Seite gibt es bislang kein öffentliches Signal, ob ein solcher Schritt für ihn infrage käme. Vogts selbst räumt in seiner Kolumne ein, dass es sich um einen Vorschlag handele, nicht um eine Insider-Information: „Ich weiß nicht, ob das für die beiden überhaupt eine Option ist.“

Für den DFB drängt die Zeit. Das erste Länderspiel unter neuer Führung steht Anfang September in der Nations League gegen die Niederlande an. Zwischen der Verkündung von Klopps Verpflichtung, dem Aufbau eines Trainerstabs und einem ersten Trainingslager liegen damit knapp acht Wochen. Ob Sammer in dieser Rechnung tatsächlich Teil des Neuanfangs wird oder ob Völler zunächst weiter Sportdirektor bleibt, ist die entscheidende offene Frage. Vogts hat mit seiner Kolumne den Ton für diese Diskussion gesetzt.