Wie wir am Morgen bereits berichtet hatten, versprach der Wimbledon-Sonntag im Achtelfinale historische Prüfungen für die Favoriten. Am Abend des 5. Juli stand das Ergebnis auf dem Centre Court: Novak Djokovic hat mit einem Viersatzsieg gegen Roman Safiullin Roger Federer als alleinigen Rekordhalter der All England Championships abgelöst, und Naomi Osaka warf die Weltranglisten-Erste Aryna Sabalenka nach nicht einmal eineinhalb Stunden aus dem Turnier.
Djokovic bezwang den Russen Safiullin 7:6 (8:6), 6:3, 3:6, 6:3 nach 3 Stunden und 26 Minuten. Es war sein 106. Einzelsieg im All England Club - eine Marke, die bis Sonntagmorgen mit den 105 Siegen Federers geteilt war. Der Serbe zieht damit zum 17. Mal in ein Wimbledon-Viertelfinale ein, zum neunten Mal in Serie. Gewinnt er das Turnier, würde er auch bei den acht Titeln des Schweizers gleichziehen und mit dem 25. Grand-Slam-Sieg erstmals allein an der Spitze der Major-Statistik der Herren stehen.
Rundum souverän war der Auftritt nicht. Safiullin, über die Qualifikation ins Hauptfeld gekommen, führte im ersten Satz 5:2 und ließ zwei Satzbälle liegen. Djokovic drehte den Durchgang im Tiebreak, dominierte den zweiten Satz beim eigenen Aufschlag und verlor im dritten Durchgang die Fassung: Ein Ballschlag gegen den Rasen brachte ihm eine Verwarnung ein, aus dem Publikum kamen Pfiffe. Im vierten Satz stellte er die Ordnung wieder her.
Ehrlich gesagt, ist mir das ziemlich unwichtig, es ist nicht meine Priorität.
Öffentlich ließ Djokovic den Rekord nach dem Match kalt. Wie das SRF berichtet, wies der 39-Jährige die Frage nach der Bedeutung der Marke von sich; im Zentrum stehe der Titel, nicht die Statistik. Sein nächster Gegner steht am Dienstag fest.
Osakas Rückkehr auf die große Bühne
Kaum hatte Djokovic den Centre Court verlassen, kippte dort das Turnier auf der Frauenseite. Naomi Osaka schlug Aryna Sabalenka 6:2, 7:6 (7:2) und zog erstmals in ihrer Karriere in ein Wimbledon-Viertelfinale ein. Auf dem heißesten Turniertag - 28 Grad in London - beschleunigten Osakas flache Grundschläge zusätzlich, die Weltranglisten-Erste fand keine Antwort auf das aggressive Rückschlagspiel der viermaligen Grand-Slam-Siegerin.
Für die 28-Jährige ist es der erste Sieg gegen eine Nummer eins der Welt seit dem Erfolg über Ashleigh Barty in Peking 2019 - vor der Pause wegen mentaler Belastung und der Elternzeit, die sie 2023 komplett aus dem Kalender kippten, wie NBC Sports einordnete. Der direkte Vergleich mit Sabalenka hatte zuvor deutlich gegen sie gesprochen: 1:4, dreimal davon 2026, zuletzt im Viertelfinale der French Open.
Sabalenka selbst hatte vor der Partie im WTA-Interview auf das mentale Element solcher Schlagabtausche verwiesen. Es sei alles Kopfsache in solchen Duellen. Am Ende blieb die Weltranglisten-Erste ohne Grand-Slam-Titel in dieser Saison, nach dem French-Open-Halbfinale nun das zweite frühe Aus in Folge. Osaka trifft im Viertelfinale auf die Gewinnerin des Achtelfinals zwischen Coco Gauff und Belinda Bencic, das später am Abend Ortszeit ansteht.
Auf der anderen Achtelfinal-Bühne kämpften am späten Nachmittag Titelverteidiger Jannik Sinner gegen den japanischen Qualifikanten Shintaro Mochizuki und der Warsteiner Jan-Lennard Struff gegen Hubert Hurkacz noch um die Viertelfinal-Plätze - für Struff wäre es der erste Grand-Slam-Viertelfinal-Einzug seiner Karriere. Karolina Muchova war zuvor bereits durch das tschechische Duell mit Barbora Krejcikova (7:5, 5:7, 6:3) eine Runde weitergekommen.