In genau vier Wochen, am 14. Juni 2026, eröffnet Deutschland die WM-Gruppe E mit dem Spiel gegen Curaçao in Houston. Die Gruppe ist - gemessen an den Erwartungen vor der Auslosung - eine machbare. Curaçao, die Elfenbeinküste, Ecuador: drei Mannschaften mit unterschiedlicher Konstitution, aber ohne Spitzenkader. Die DFB-Elf ist nomineller Favorit, was bedeutet, dass jeder Punktverlust strukturell teuer wird.

Curaçao - der Auftakt mit Trainer-Frage

Der erste Gegner ist gleichzeitig der unbekannteste. Curaçao ist mit gut 150.000 Einwohnern der kleinste Verband, der jemals eine WM-Endrunde erreicht hat. Die Mannschaft wird in vielen Vorhersagen als Außenseiter geführt, aber ihre Qualifikationsserie gegen Trinidad und Tobago, Jamaika und El Salvador hat gezeigt, dass sie kompakt verteidigen kann. Der Wechsel auf der Trainerposition - Dick Advocaat ersetzt Fred Rutten - verändert das Profil der Mannschaft noch einmal. Erwartung: defensive Disposition, schnelle Konter, viel Druck auf das deutsche Mittelfeld.

Elfenbeinküste - der gefährlichste Gegner der Gruppe

Das Spiel gegen die Elfenbeinküste am 19. Juni in Atlanta ist nach Lage der Dinge die Schlüsselbegegnung der Gruppe. Die Mannschaft hat in den letzten zwei Jahren ihr Profil deutlich gewandelt: Spieler aus der englischen Premier League, der französischen Ligue 1 und der deutschen Bundesliga prägen den Kader. Verteidiger wie Eric Bailly und Stürmer wie Sébastien Haller sind etablierte europäische Profis; das Mittelfeld um Franck Kessié strukturiert das Spiel hoch und körperlich aggressiv. Wer in der Gruppe als Erster ankommen will, muss dieses Spiel gewinnen oder mindestens nicht verlieren.

Aus deutscher Sicht ist die Elfenbeinküste der Gegner, der die Defensiv-Organisation am stärksten testen wird. Tempo-Angriffe über die Außen, Standardsituationen mit Größe und Sprungkraft, hohe individuelle Klasse in den Schlüsselsituationen - das sind genau die Faktoren, die in den letzten WM-Endrunden für Deutschland regelmäßig zum Problem geworden sind. Die Aufstellung Nagelsmanns wird hier zentral sein.

Ecuador - der späte Schluss

Den Gruppen-Abschluss bildet am 23. Juni in Dallas die Partie gegen Ecuador. Die südamerikanische Mannschaft kommt mit einer jüngeren Generation in die WM - Moisés Caicedo im Mittelfeld, Pervis Estupiñán hinten links, Kendry Páez und Gonzalo Plata in der Offensive. Ecuador ist organisiert, läuferisch stark und hat in den letzten Qualifikationsspielen ein klares Spielidée gezeigt. Was der Mannschaft fehlt, ist Routine bei großen Turnieren: die letzten WM-Auftritte 2014 und 2022 endeten beide in der Vorrunde. Aus deutscher Sicht: ein Spiel, das je nach Tabellenkonstellation entweder formal abzuhandeln oder hart umkämpft sein wird.

Realistisch ist für Deutschland Platz eins der Gruppe - mit der Hoffnung auf neun, gegebenenfalls sieben Punkten. Wer die Gruppe gewinnt, trifft im Achtelfinale auf den Zweiten der Gruppe F (vermutlich Brasilien, Italien oder Argentinien als Gegner, je nach Konstellation). Wer Zweiter wird, bekommt im Achtelfinale den Ersten dieser Gruppe - eine deutlich schwierigere Aufgabe.

Was den deutschen WM-Weg vor dem Turnier definiert, ist daher weniger die Frage, ob die Gruppe durchgespielt wird, sondern wie. Drei klare Siege erleichtern das Achtelfinal-Los entscheidend; ein Stolperer in Atlanta könnte den Rest des Turniers verändern. Genau deshalb wird der Spieltag in Houston am 14. Juni - so unspektakulär er auf dem Papier wirkt - ein psychologisch zentrales Spiel werden.