Alexander Zverev spielt am Freitagnachmittag um seinen ersten Einzug in ein Wimbledon-Finale. Um 14:30 Uhr MESZ trifft der 29-Jährige aus Hamburg auf dem Centre Court auf den britischen Wildcard-Spieler Arthur Fery. In seiner elften Teilnahme beim Rasenklassiker steht Zverev, an Nummer zwei gesetzt, erstmals in einer Vorschlussrunde in London. Im Viertelfinale hatte er am Mittwoch Taylor Fritz mit 6:4, 6:4, 6:2 abgefertigt und damit eine sieben Matches lange Serie gegen den US-Amerikaner beendet.

Fery ist die Überraschung des Turniers. Der 23-Jährige aus Sèvres bei Paris besitzt britische Staatsbürgerschaft mütterlicherseits, wuchs anderthalb Kilometer von der Anlage in Wimbledon entfernt auf und studierte in Stanford. Vor dem Turnier stand er auf Weltranglistenposition 114. Im Achtelfinale schlug er in einem Fünfsatzmatch Grigor Dimitrov, im Viertelfinale bezwang er den italienischen French-Open-Finalisten Flavio Cobolli in drei Sätzen. Fery ist der erste Wildcard-Spieler im Halbfinale von Wimbledon seit Goran Ivanisevic vor 25 Jahren - der Kroate holte damals den Titel.

Er hat eine sehr saubere Technik, saubere Grundschläge. Ich bin ja nicht blöd.
- Alexander Zverev, auf der Pressekonferenz nach dem Viertelfinale

Auf der Pressekonferenz nach dem Fritz-Sieg schätzte Zverev seinen kommenden Gegner ein, ohne den Favoriten-Status zu übertreiben. „Er hat eine sehr saubere Technik, saubere Grundschläge“, sagte der Deutsche über Fery, wie t-online berichtete. Zur zu erwartenden Stimmung auf dem Centre Court fügte er trocken hinzu: „Ich bin ja nicht blöd.“ Fery selbst gab sich vor dem Match kühl. „Zverev ist wieder eine Stufe höher als meine bisherigen Gegner. Ich bin bereit dafür“, zitierte ihn das ZDF im Portrait des Aufsteigers.

Der taktische Plan und das zweite Halbfinale

Bruder Mischa Zverev, der als Kommentator und Coach die Familienspiele begleitet, hat den Matchplan bereits öffentlich skizziert: den Ball auf Ferys Rückhand halten. „Da ist er nicht schnell. Wenn Sascha den Ball neutralisieren möchte, dann spielt er ein-, zweimal auf die Rückhand. Dann kommt irgendwann die Chance“, sagte Mischa Zverev bei Eurosport. Die Statistik stützt die Analyse: Im Viertelfinale gegen Cobolli erzielte Fery keinen einzigen Rückhand-Winner. Alexander Zverev hat in fünf Wimbledon-Partien 21 Breakbälle zu nur vier Gegenbreaks aufgeboten und mit seinem Aufschlag - regelmäßig über 200 Kilometer pro Stunde - eine seiner besten Grand-Slam-Statistiken der Saison abgeliefert.

Im zweiten Halbfinale trifft am späten Nachmittag Titelverteidiger Jannik Sinner auf Novak Djokovic. Der Serbe, siebenmaliger Wimbledon-Sieger und an Position sieben gesetzt, kämpft mit 39 Jahren um seinen 25. Grand-Slam-Titel. Das Match Zverev-Fery wird in Deutschland ausschließlich auf Prime Video übertragen; Free-TV-Rechte hält der Bezahldienst nicht. Für Zverev, der im Juni die French Open gewann, wäre ein Finaleinzug in London der bislang wichtigste Karrieremoment außerhalb von Paris - und zugleich die Antwort auf jene Kritik, er habe auf Rasen nie den letzten Schritt gefunden. Ein Sieg am Sonntag brächte dem Deutschen den zweiten Grand-Slam-Titel binnen fünf Wochen.